Skiunfall: Althaus muss mit Schadenersatzforderungen rechnen

Skiunfall
Althaus muss mit Schadenersatzforderungen rechnen

Nach dem tödlichen Skiunfall fordert der Ehemann des Opfers von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) Schadenersatz. Das kündigte der Salzburger Anwalt der Hinterbliebenen, Alexander Rehrl, am Samstag in mehreren Medien an.

dpa HAMBURG/MüNCHEN. "Der Ministerpräsident hätte so fahren müssen, dass er niemanden gefährdet. Das war anscheinend nicht der Fall. Deshalb wollen wir Schadenersatz fordern", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Zur Höhe äußerte er sich nicht. Er gehe von einer außergerichtlichen Einigung aus. Anderenfalls werde er eine Zivilklage anstreben.

Der österreichische Staatsanwalt Walter Plöbst erklärte im Magazin "Der Spiegel", dass es nach Landesrecht bei einem tödlichen Unfall in jedem Fall zum Gerichtsprozess kommt, sobald von einer Teilschuld des Überlebenden auszugehen ist. Es gebe in solchen Fällen keine Möglichkeit, das Verfahren einzustellen. Dann müsste sich Althaus dem Bericht zufolge vor dem österreichischen Bezirksgericht Irdning wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Die Schuldfrage soll aber erst durch Expertengutachten geklärt werden. "Die Gutachten von zwei Sachverständigen liegen noch nicht vor", sagte Plöbst im "Focus". Der Unfallhergang soll mit den Sachverständigen auf der Skipiste rekonstruiert werden. "Voraussichtlich in etwa vier Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein, und dann entscheiden wir." Althaus selbst kann sich nach Auskunft des Staatsanwalts "überhaupt an nichts erinnern".

Der Politiker war am Neujahrstag bei der Abfahrt von der Riesneralm mit der 41-jährigen Beata C. zusammengestoßen. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus, Althaus erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Er war am Freitag in die Universitätsklinik Jena verlegt worden. "Der Ministerpräsident verbrachte eine ruhige erste Nacht, hat gut gefrühstückt und freut sich, wieder in Thüringen zu sein", sagte Regierungssprecher Fried Dahmen am Samstag der dpa.

Sachverständige und Anwälte beider Parteien haben den Unfallort mittlerweile begutachtet. Laut "Spiegel" gehen die Sachverständigen davon aus, dass Althaus entgegen der Fahrtrichtung links abgebogen, leicht bergauf gefahren und frontal mit der Frau zusammengestoßen sei. Der Anwalt des Opfers geht von einer Mitschuld des Politikers am Unfall aus. Das ergebe sich zwangsläufig aus dem Unfallgeschehen. Der Althaus-Anwalt in Österreich, Walter Kreissl, räumte im "Spiegel" ein, dass der Ministerpräsident "nach Lage der Dinge ein Stück bergauf" gefahren sei. Er weist aber darauf hin, dass ein Unfall sich jederzeit auf Skipisten ereignen könne. Althaus habe sich weder "rücksichtslos, ungewöhnlich, noch auffällig" verhalten.

Der Skiunfall von Althaus und die Folgen waren auch Thema im CDU-Bundesvorstand in Erfurt. Vize-Ministerpräsidentin Birgit Diezel berichtete über den aktuellen Gesundheitszustand und ging auch auf die Beerdigung von Beata C. ein. Dabei ging es nach Teilnehmerangaben aber nicht um einen möglichen "Plan B" bei der Frage der CDU-Spitzenkandidatur in Thüringen, obwohl auch erwähnt wurde, dass offen sei, wann der Regierungschef vollständig genesen ist.

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