„Smart Meter“
Streit um den Nutzen digitaler Stromzähler

Sie sind smart, helfen Strom sparen – und sind vergleichsweise teuer: Smart Meter sind auf dem Vormarsch. Das liegt auch an einem Gesetz der Bundesregierung. Verbraucherschützer sprechen von „Zwangsdigitalisierung“.

BerlinNichts weiter als ein teures Spielzeug sei das – so lautet das Urteil des Vorstandes der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Klaus Müller, über die gesetzlich geplante Umrüstung von Privathaushalten auf sogenannte Smart Meter.

Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, sollen ab 2017 zunächst Großverbraucher, die mehr als 10.000 Kilowattstunden verbrauchen, mit modernen Stromzählern aufrüsten. Ab 2020 sollen Haushalte folgen, die mehr als 6000 Kilowattstunden verbrauchen. Bei geringerem Verbrauch soll die Entscheidung darüber dem Vermieter oder dem Netzbetreiber überlassen werden. So sieht es Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriels (SPD) „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ vor. Digitale Stromzähler messen den Verbrauch, aufgeschlüsselt nach Tag und Uhrzeit, und übermitteln die Daten an Netzbetreiber und Stromversorger. So sollen Verbraucher über ihren Stromverbrauch besser Bescheid wissen und somit Energie und Geld sparen.

Doch die vzbv sieht kaum Nutzen für die Verbraucher und spricht von „Zwangsdigitalisierung“. Ihre Kritik stützt sie auf eine von ihr in Auftrag gegebene Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Demnach lohnt sich für den Großteil der Verbraucher der Umstieg auf intelligente Messsysteme und variable Stromtarife finanziell nicht. Der Grund: Die Anschaffung intelligenter Messsysteme sei teuer sei und stehe somit in keinem Verhältnis zum geringen Einsparpotenzial. „Zwang“ sei deshalb der falsche Weg, sagt Müller. „Ob der Umstieg auf intelligente Messsysteme und variable Stromtarife sinnvoll ist oder nicht, kann nur jeder selbst entscheiden.“

Laut der Studie zahlt sich der Wechsel nur für Haushalte aus, die über energieintensive Speicherheizungen verfügen. Je nachdem, welchen Tarif man den Berechnungen zu Grunde legt, ändert sich das Einsparpotenzial. Bei einem börsenpreisbasierten Tarif spart man nur mit einer Speicherheizung – zwischen 44 Euro im Jahr 2014 und 197 Euro im Jahr 2025. Bei tageszeitabhängigen Tarifen sparen Verbraucher sowohl mit Speicherheizungen (173 Euro 2014 und 190 Euro im Jahr 2025) als auch mit Wärmepumpen (zwischen 40 Euro im Jahr 2014 und 48 Euro im Jahr 2025). Beim Wochenendtarif sei lediglich für Speicherheizungen ein Nutzen erzielbar (zwischen 40 Euro im Jahr 2014 und 80 Euro im Jahr 2025).

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Hersteller fühlen sich zu Unrecht beschuldigt

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