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Soffin: Bankenretter haben Millionen-Aufträge freihändig vergeben

exklusivBerater haben während der Finanzkrise Millionen-Einnahmen verzeichnet. Allerdings wurden ihre Aufträge von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung nicht öffentlich ausgeschrieben. Grüne fordern nun Aufklärung.

Gebäude des Rettungsfonds Soffin in Frankfurt. Quelle: dpa
Gebäude des Rettungsfonds Soffin in Frankfurt. Quelle: dpa

Düsseldorf Die finanziellen Hilfen für die deutschen Banken während der Finanzkrise hat Anwälten und Unternehmensberatern Einnahmen in Millionenhöhe beschert. Dadurch gerät die für die Auftragsvergabe zuständige Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) nun in Erklärungsnot. Nach einem Bericht des Handelsblatts (Mittwochausgabe) aus Kreisen der FMSA wurden nahezu alle Beratungsleistungen, die sich von Oktober 2008 bis heute auf mehr als 100 Millionen Euro summieren, nicht öffentlich ausgeschrieben. „Rund 90 Prozent“ der Verfahren seien „wegen Eilbedürftigkeit und aus Geheimhaltungsgründen“ freihändig vergeben worden, heißt es dazu bei der FMSA.

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Die Behörde, die den Bankenrettungsfonds Soffin verwaltet, rechtfertigt die freihändige Vergabe, bei der sie selbst die Unternehmen aussucht, die ein Angebot machen dürfen, mit dem Unterschreiten betragsmäßiger Schwellenwerte. Bei anderen Mandaten habe sie von einer Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, die bei „dringlichen zwingenden Gründen“ eine Vergabe ohne Wettbewerb erlaube. Nach Informationen des Handelsblatts aus gut informierten Kreisen sollen jedoch einige der Honorare im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich gelegen haben – und damit deutlich über dem ausschreibefreien Schwellenwert. Experten bezweifelten zudem, dass sich die FMSA bei der Auftragsvergabe in einer zeitlichen Zwangslage befunden habe.

Bankenregulierung de luxe Grüne schalten Bundesrechnungshof ein

Dass Mitverursacher der Euro-Krise für ihre Krisenexpertise Millionen erhielten, hört sich an wie ein Stück aus dem Tollhaus. Die Grünen verteidigen das Einholen von Gutachten, die Honorare sind ihnen aber auch suspekt.


Politiker wie der der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, verlangen nun Aufklärung von der Behörde. „Öffentlichkeit und Steuerzahler haben ein Anrecht auf weitest mögliche Transparenz hinsichtlich der Bankstabilisierungen“, sagte er dem Handelsblatt. Schick ist Mitglied im neunköpfigen Kontrollgremium der Bundesanstalt.

Nach einer unter Verschluss gehaltenen Liste aus dem Bundesfinanzministerium vergab die die FMSA zur Bewältigung der Bankenkrise Beratungsaufträge im Volumen von etwa 100 Millionen Euro. Empfänger dieser Mandate waren rund 100 Berater, darunter teilweise jene Akteure, die als Verursacher der Finanzkrise gelten, etwa die Investmentbanken Goldman Sachs und Citigroup. Aufträge gingen darüber hinaus an Unternehmensberater und große Anwaltskanzleien.

  • 27.03.2013, 08:05 UhrLudwig500

    Tja, so ist das nunmal. Für die meisten ist es Krise, für ein paar wenige die grösste Party der Welt.

  • 27.03.2013, 08:08 UhrOnlyHuman

    Weder über-rasch-end noch ver-wunder-lich. SoFFin, BaFin, Treuhand, Netzagentur usw. usf... Beamte sorgen per Gesetz und dererlei Lagungen u. Lücken für die eigene Existenz. Nicht mehr nicht weniger.

    Sind lediglich Lagunen und Lücken von Lobbyisten geschriebene Gesetze. VolkszertreterInnen be-nötig-en als Dilettanten sehr viele BeRATerinnen von außerhalb der Politik.

    Zahlen dürfen Alle! Dem einen Menschen kostet es mehr, den anderen weniger.

  • 27.03.2013, 08:10 Uhrnetshadow

    "Empfänger dieser Mandate waren rund 100 Berater, darunter teilweise jene Akteure, die als Verursacher der Finanzkrise gelten, etwa die Investmentbanken Goldman Sachs und Citigroup. Aufträge gingen darüber hinaus an Unternehmensberater und große Anwaltskanzleien."

    Nicht zu fassen, das ist ja fast so als würde man Nazis Mitglieder der NSU suchen lassen.
    Auf welchem Auge muß man dazu besonders blind sein.

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