Soffin
Bankenrettungsfonds macht Milliarden Miese

Bankenrettung ist offenbar kein gutes Geschäft: Schätzungen zufolge wird der Bankenrettungsfonds Soffin auch 2012 wieder Milliardenverluste machen. Eine Bank fiel dabei besonders ins Gewicht.
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BerlinDer Bankenrettungsfonds Soffin wird auch in diesem Jahr einen Milliardenverlust ausweisen. Das Defizit werde bei fast drei Milliarden Euro liegen, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Schätzungen von Mitgliedern des parlamentarischen Kontrollgremiums der Behörde.

Demnach haben vor allem neue Abschreibungen bei der Bad Bank der WestLB zum Milliardenverlust geführt. Ein Sprecher der Behörde sagte dem Blatt, für eine abschließende Beurteilung sei es noch zu früh.

Im vergangenen Jahr hatte der Sonderfonds zur Stabilisierung der Finanzmärkte (Soffin) noch mehr als 13 Milliarden Euro Defizit ausgewiesen. Insgesamt hätte der Fonds seit Gründung Ende 2008 damit rund 25 Milliarden Euro Verlust eingefahren.

Der Soffin kann im Notfall Garantien in Höhe von 400 Milliarden Euro und bis zu 80 Milliarden Euro Kredit an Banken gewähren. Den ersten Soffin hatte der Bund nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 gegründet und mit einer Bürgschaft über 480 Milliarden Euro ausgestattet.

Zur Absicherung der Banken in der Schuldenkrise wurde der Soffin in gleicher Höhe Anfang 2012 neu aufgelegt. Ende November beschloss der Bundestag eine Verlängerung des Bankenrettungsfonds um zwei weitere Jahre. Allerdings sollen künftig nicht mehr die Steuerzahler, sondern die Banken selbst für Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten haften.

Anfang 2015 soll ein europäischer Rettungsfonds seine Arbeit aufnehmen. Mit Hilfe des Soffin rettete der Bund unter anderem die Immobilienbank Hypo Real Estate und die Commerzbank.

 
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Soffin: Bankenrettungsfonds macht Milliarden Miese"

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  • @ Hafnersp

    Kommentar gut auf den Punkt gebracht. Danke.

  • Mich wundert es, daß hier Verluste mal tatsächlich zugegeben werden (das scheint neuerdings ein Trend zu sein). Wo es doch so schöne Gestaltungsmöglichkeiten in der modernen kreativen Buchhaltung gibt und wo die Medien die selektive Information der Bevölkerung perfektioniert haben.

    Die Verluste des Fonds wären natürlich noch dramatisch größer, wären gewisse Länder (und deren Banken) nicht durch verschiedene "Rettungsfonds" gerettet worden - und damit auch die deutschen Banken indirekt. Man denke nur was an irischen Hypothekenbriefen und Bankanleihen in deutschen Banken (HypoRE) schlummerte.

    Das soll jetzt also auf europäischer Ebene wiederholt werden. Gute Nacht, deutscher Steuerzahler, die Vampire warten schon.

  • Hier zeigt sich noch das gesamte Ausmaß der Bankenkrise. Verursacht durch die Aufweichung der Bankenaufsicht und durch die gezielte Verwässerung der Bilanzierungsstandards. Prof. Küting wies auf diese Fehlentwicklungen schon vor Jahren hin. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch Auslagerung in Steuerparadiese ohne jegliche Bankenaufsicht, gefördert zusätzlich durch staatliche Subventionen (steuerliche Begünstigung von Unternehmensverkäufen).

    Die wirkliche spannende Frage dabei ist? Was wurde geändert? Basel III stellt hohe Anforderungen, inwieweit diese die südlichen Eurobanken erfüllen können, ist äußerst zweifelhaft (Stichworte LTRO, ELA, Staatsanleihen, mögliche europäische Bankenunion, Haftungseinlagensicherung, Rekapitalisierungshilfen aus EFSF und ESM, gemeinsame Bankenaufsicht bei der EZB (Zielkonflikte Geldwertstabilität vs. Bankenrettung)).

    Die neuen Bilanzierungsstandards und deren Anforderungen an die Bilanzierenden wurden zwar wieder hochgefahren, ob diese aber wirklich alle und möglichen Gefahrpotenziale transparent erfassen, abbilden und darstellen können, muss kritisch hinterfragt werden (IAS vs. HGB + AktG).

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