_

Soffin-Chef: Deutsche Banken meiden „Bad Bank“-Lösung

Die Banken in Deutschland können mit der Auslagerung „toxischer“ Papiere ihre Bilanzen entlasten, indem sie auch ganze Geschäftsbereiche zur Abwicklung auf externe Zweckgesellschaften übertragen. Doch nur wenige Institute nehmen dabei staatliche Unterstützung und sogenannte Bad Banks in Anspruch.

HB HAMBURG. Bei dem staatlichen Rettungsfonds Soffin seien bislang kaum Anträge auf dieses Angebot eingegangen, sagte Soffin- Chef Hannes Rehm am Dienstagabend vor dem „Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten“. Er sei über dieses fehlende Interesse überrascht. Der Soffin werde seine Informationsarbeit verstärken.

Anzeige

Die Banken können mit der Auslagerung „toxischer“ Papiere, die stark an Wert verloren haben, ihre Bilanzen entlasten. Die Institute können auch ganze Geschäftsbereiche zur Abwicklung auf externe Zweckgesellschaften übertragen. Anträge müssen bis Ende Januar 2010 beim Soffin vorliegen. Bekannt ist, dass die angeschlagene WestLB einen entsprechenden Antrag gestellt hat. „Mit einigen weiteren Instituten stehen wir in Kontakt“, sagte Rehm, der zuvor die NordLB leitete.

Die HSH Nordbank, die sich nach dem Konzept von Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher in eine Kernbank und eine Abwicklungsbank aufspalten will, hat bislang keinen Antrag beim Soffin gestellt und setzt auf ein Modell ohne die Hilfe des Rettungsfonds. „Ich empfehle der Bank, sich mit der Soffin-Lösung zu befassen“, sagte Rehm. Nach der Herabstufung der HSH Nordbank durch die Ratingagenturen sei zu fragen, ob das bislang verfolgte Geschäftsmodell noch tragfähig sei.

Über die Gründe für die Zurückhaltung der Banken wollte Rehm nicht spekulieren. Die Hilfe des Soffin ist nicht gratis. Die Banken müssen über einen Zeitraum von 20 Jahren aus ihrem Jahresgewinn für die zu erwartenden Verluste zahlen. Nach Schätzungen der Bundesregierung halten deutsche Bankhäuser fragwürdige Wertpapiere im Umfang von rund 230 Mrd. Euro. Der Soffin ist mit 400 Mrd. Euro zur Gewährung von Garantien ausgestattet; davon werden nach Rehms Worten gegenwärtig 132 Mrd. Euro genutzt. Weitere 80 Mrd. Euro kann der Soffin den Banken als Eigenkapital bereitstellen; davon sind 25 Mrd. Euro eingesetzt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.