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Soffin-Chef Pleister: „An einer Bankpleite kann man nicht verdienen“

exklusivRund 23 Milliarden Euro Verlust hat der Bankenrettungsfonds Soffin bisher gemacht. An Pleiten lässt sich nichts verdienen, sagt Soffin-Chef Pleister. Und dennoch macht der Fonds mit manchen Maßnahmen Geld.

Christopher Pleister: Durch Liquiditäts-Stabilisierungsmaßnahmen gut zwei Milliarden Euro verdient. Quelle: Reuters
Christopher Pleister: Durch Liquiditäts-Stabilisierungsmaßnahmen gut zwei Milliarden Euro verdient. Quelle: Reuters

FrankfurtDer Chef der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung und des Bankenrettungsfonds Soffin hält es für unmöglich, von Bankpleiten zu profitieren. „An einer Bankpleite kann man nicht verdienen. Aber bei einer Restrukturierung oder einer Stabilisierung sei das durchaus möglich“, sagte Christopher Pleister dem Handelsblatt.

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Konkret seien durch Liquiditäts-Stabilisierungsmaßnahmen gut zwei Milliarden Euro verdient worden. Gleichzeitig würden die Verluste begrenzt, die der Rettungsfonds Soffin im vergangenen Jahr angesammelt hat. „Unser Jahresabschluss wird gerade aufgestellt. Angesichts der Entspannung an den Märkten bis Ende Dezember 2012 sehen wir aktuell keine weiteren Belastungen“, sagte Pleister.

In den ersten drei Quartalen 2012 hatte sich ein Defizit von 900 Millionen Euro angehäuft. Insgesamt sind damit bereits rund 23 Milliarden Euro an Verlust aufgelaufen.

Bankentrennung, Testamente und Haftstrafen

  • Welche Elemente die Bankenregulierung der Bundesregierung vorsieht

    Die Bundesregierung will die Geschäfte deutscher Banken- und Finanzkonzerne strenger regeln. Das Bundeskabinett brachte dazu ein entsprechendes Gesetzespaket auf den Weg, das schon kommendes Jahr in Kraft treten soll. Darin vorgesehen ist eine Trennung der Spekulationsgeschäfte der Banken von den Kundengeldern, die Einführung von Notfallplänen für Krisensituationen und Haftstrafen für Bank- und Versicherungsmanager bei Vernachlässigung ihrer Pflichten.

  • Trennbanken

    Bei großen Banken soll künftig das spekulative Geschäft der Institute mit eigenem Geld vom Geschäft der Institute mit Kundeneinlagen abgetrennt werden. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble könnten zehn bis zwölf Banken unter diese Regelung fallen. Finanzexperten halten eine kleinere Zahl für wahrscheinlich. In den vergangenen Wochen war immer wieder spekuliert worden, Deutsche Bank, Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg könnten unter die Regelung fallen.

  • Abtrennung

    Für die Pflicht zur Abtrennung, muss das Eigengeschäft der Institute eine bestimmte Größe haben. Entweder es ist größer als 100 Milliarden Euro oder es macht 20 Prozent der Bilanzsumme aus. Letztere Regelung gilt aber nur für Institute mit mindestens 90 Milliarden Euro Bilanzsumme. Die Schwellen dürften den Kreis betroffener Banken deutlich begrenzen. Die Abtrennung soll die Risiken und damit die mögliche Kostenbelastung für den Steuerzahler im Falle einer Bankenrettung begrenzen.

  • Bankentestamente

    Kreditinstitute sollen bei den Aufsichtsbehörden künftig Notfallpläne für etwaige Krisensituationen vorlegen. Dabei handelt es sich um Pläne, in denen deren Sanierung und endgültige Abwicklung geregelt sind. In der Finanzkrise stand die Politik immer wieder vor dem Problem, dass einige Institute als zu groß oder zu stark vernetzt mit anderen Banken galten, um diese Pleite gehen zu lassen. Diese Problematik soll mit den Notfallplänen ausgeräumt werden. Zudem sollen auch diese Regelungen verhindern, dass etwaige Kosten von Bankenrettungen am Ende bei den Steuerzahlern hängen bleiben.

  • Haftstrafen

    Gegen Manager bei Banken und Versicherungen sollen künftig auch Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verhängt werden können. Diese Regelungen sollen für Geschäftsleiter gelten, die übertriebene Risiken in Kauf nehmen oder Risiken vernachlässigen. Die Regelungen gelten dann, wenn dieses Verhalten dazu führt, dass Banken in ihrer Existenz bedroht sind oder bei Versicherungen die Auszahlung garantierter Versicherungsleistungen an Kunden in Frage steht. Sie sollen grobe Pflichtverletzungen ahnden.

Der Rettungsfonds hat nach den Worten Pleisters die dauerhaften Verluste der HRE-Abwicklungsbank FMS Wertmanagement mit einer „letzten Tranche im Februar bereits voll ausgeglichen“. Dadurch verringerten sich die Zinskosten der Bad Bank bis 2020 in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags.

Der oberste Rettungsbanker Deutschlands hofft mit den Abwicklungsbanken, die Wertpapiere und Beteiligungen abwickeln und verkaufen, am Ende auf einen Überschuss, der die viele Milliarden schweren Verluste noch einmal verringern könnte.

  • 02.04.2013, 21:57 UhrMoika

    Zitat: "An Pleiten lässt sich nichts verdienen, sagt Soffin-Chef Pleister."

    Dann sollte der Gute seinen Hut nehmen - der Mann hat keine Ahnung und damit bestimmt nichts in der Soffin zu suchen.

  • 02.04.2013, 23:08 UhrRechner

    Sonst geht's noch danke?

  • 03.04.2013, 01:32 UhrMoika

    Was glauben Sie wohl was mit den Aktiva der Bank geschieht? Richtig, die werden verscherbelt - und in der Regel zu einem Bruchteil der tatsächlichen Werte. Die Erwerber machen den Reibach, aber richtig.

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