Sohn von Franz Josef Strauß muss hinter Gitter
Der Fall Strauß - Fast acht Jahre Ermittlungen

Ein Possenspiel der besonderen Art ist heute zu Ende gegangen. Nach fast acht Jahren Ermittlungsarbeit muss Max Strauß, der Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, nun hinter schwedische Gardinen.

HB AUGSBURG. Max Strauß, der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, hat laut Urteil des Landgerichts Augsburg vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber 5,2 Millionen Mark (gut 2,6 Millionen Euro) Provisionen erhalten und nicht versteuert.

Insgesamt dauerten die Ermittlungen gegen Strauß acht Jahre: Am 5. Dezember 1995 leitet die Staatsanwaltschaft Augsburg gegen Strauß ein Verfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ein. Ein Jahr später wird dieser über eine bevorstehende Hausdurchsuchung vorab informiert. Er löscht die Festplatte seines Computers -Begründung: Er sei von einem Virus befallen. 10. Januar 1996: Der Computer wird sicher gestellt. Später werden Dateinamen „Master.txt“ und „Max???“ rekonstruiert.. Fast vier Jahre später am 3. April 2000 will die Staatsanwaltschaft die Festplatte noch einmal untersuchen lassen - sie ist bis heute unauffindbar verschwunden. Am 5. Mai 2003 lässt das Landgericht Augsburg die Anklage wegen Steuerhinterziehung zu.

Juni 2003: Strauß legt seine Zulassung als Rechtsanwalt in München nieder. Im September des Jahres erleidet er einen Zusammenbruch und muss stationär in der Psychiatrischen Abteilung der Münchner Universitätklinik behandelt werden. Zwei Monate später erhebt die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen Strauß wegen Beihilfe zum Betrug in neun Fällen. Er soll als Justiziar der Anlagefirma Wabag wissentlich an Betrugsfällen beteiligt gewesen sein. Geschädigte Wabag-Anleger kündigen darauf Schadensersatzklage gegen Strauß in Höhe von vier Millionen Euro an. Insgesamt sollen durch die Wabag-Affäre tausende Anleger um rund 100 Millionen Euro geschädigt worden sein.

20. Januar 2004: Vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Augsburg beginnt das Steuerstrafverfahren gegen Strauß. Am 16. April verurteilt das Landgericht München I den Sohn des früheren Ministerpräsidenten wegen Beihilfe zum millionenschweren Anlagebetrug der Wabag-Firmengruppe zu einer Geldstrafe von 300 000 Euro. Strafmildernd wirkte das volle Geständnis des Angeklagten.

08. Juli 2004: Im Augsburger Steuerstrafverfahren plädiert die Staatsanwaltschaft auf dreieinhalb Jahre Haft, die Verteidigung auf Freispruch. Max Strauß wurde heute zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

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