Solarenergie
Deutschland – das teure Paradies

Dieses Jahr werden hierzulande so viele Solaranlagen installiert wie noch nie. Doch der Boom ist teuer erkauft. Zu teuer, meinen Experten. Es fließen Fördergelder in Milliardenhöhe. Dabei sind andere Länder viel besser geeignet für diese Technologie.
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DÜSSELDORF/BERLIN. Deutschland strengt sich mächtig an, um seine Spitzenposition auf dem Solarmarkt zu verteidigen. In diesem Jahr schrauben so viele Eigenheimbesitzer, Bauern und Gewerbebetriebe wie nie sich neue Photovoltaikanlagen aufs Dach. Experten erwarten neue Anlagen mit einer Gesamtleistung zwischen 6 000 und 8 000 Megawatt.

Doch dieser Rekord ist „teuer erkauft, zu teuer“, kritisiert Manuel Frondel, Energieexperte vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung RWI. Denn je mehr Anlagen installiert werden, desto mehr Fördergelder fließen: Jeder Betreiber einer Solaranlage erhält für jede Kilowattstunde Strom, die er ins Netz einspeist, im Schnitt rund 31 Cent. Dieselbe Menge konventionell erzeugter Strom ist an der Leipziger Strombörse EEX dagegen für rund fünf Cent zu haben.

Die üppige Förderung summiert sich für alle Anlagen von Flensburg bis München auf hohe Milliardensummen. Energieexperte Frondel hat ausgerechnet, dass alle Betreiber für die Anlagen, die bis Ende 2011 installiert werden, insgesamt mehr als 120 Milliarden Euro kassieren. Denn der Einspeisetarif ist für 20 Jahre garantiert.

Die 120 Milliarden Euro – das ist eine gewaltige Summe, vor allem dann, wenn Aufwand und Ertrag in einem schlechten Verhältnis zueinander stehen. Denn in anderen Teilen Europas scheint die Sonne nun mal länger. So schafft der stolze Solarstromproduzent in der Region München jährlich etwa 983 Kilowattstunden pro Kilowatt-Solarmodul, weiß Andreas Hänel, Vorstandschef von Phoenix Solar. In der Region La Mancha in Spanien sind es 1400 und in der französischen Provence sogar 1440 Kilowattstunden – fast 50 Prozent mehr als in Bayern. Dabei gehört München schon zu den Spitzenregionen hierzulande.

In der Politik mehren sich deshalb die Stimmen, die die Förderung kürzen wollen. Und das wollen sie in der Novelle des Erneuerbare-Energie-Gesetzes EEG verankern, das zum 1. Januar 2012 in Kraft tritt. Es dürfe bei der Novelle des Gesetzes nicht darum gehen, bestimmte Energieträger dauerhaft um jeden Preis zu fördern, sagt Thomas Bareiß, energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion im Bundestag. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist als Anschub gedacht. Ab einem bestimmten Punkt wird die Förderung nicht mehr gebraucht“, so Bareiß. Außerdem führe die Förderung schon jetzt zu erheblichen Belastungen der privaten Verbraucher und der Industrie. Denn die Differenz zwischen den 31 Cent für Solarstrom und den fünf Cent für konventionellen Strom legen die Netzbetreiber auf alle Stromkunden um.

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  • „Über 50 Prozent dieses betrages gehen auf das Konto des Solarstroms. Der trägt aber nur 3,5 Prozent zur Stromerzeugung bei“, sagt Krawinkel.

    Also richtig wären "nicht mal 1 Prozent". Die 3,5 sind ja schonmal erstunken und erlogen, damit es schön viel aussieht. Aber zu dem bericht selbst fällt mir nur folgendes auf. Diese informationen sind ja alle lange bekannt. Die politisch gekauften Medien durften das, auf Anweisung der Politik, nur nicht öffentlich diskutieren. Da durch die deutschen Medien nichts mehr geht, was nicht irgendwie politisch gesteuert wird, sehe ich auch hier einen Zusammenhang. Der teuer erkaufte Solarschwindel wird nicht umsonst immer häufiger dem Leser unter die Nase gerieben. Die Politiker wollen aus der Nummer mit der Solarförderung raus. Lange genug haben sie die Solarindustrie mit Steuergeldern hochgepusht. Sie wünschen sich, dass in der bevölkerung Wut und Hass gegen die Solarförderungskassierer entsteht. Denn die sind nunmal der Grund für die überhöhten Strompreise. Sie stoßen die Menschen mit der Nase drauf, damit der Normalbürger die Ungerechtigkeit erkennt. Dann tun die Politiker so, als müssten sie die Ungerechtigkeit abschaffen. Und dann war es das gewesen, mit der Solarförderung. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass diese Verschleuderung von Steuergeldern abgeschafft wird. Es ist nur immerwieder erstaunlich, wie stümperhaft unsere Politiker vorgehen und wie sie eine industrie erst künstlich erzeugen und dann hinterher nichts mehr davon wissen wollen. Wie gesagt, mir ist es recht. Weg mit der Solarförderung.

  • Was soll dieses dauerende indirekte Lobbyiere für Atomenergie im Hb?

    Für einen mittelständisch und innovativ agierenden Prodduktionsstandort wie Deutschland ist es nicht entscheidend ob der Strom 10 oder 20 Cent/ kWh kostet. Hier zählt innovation und Qualität!

    Wäre D ein Hort von Stahlwerken und Aluhütten, so könnte man dieses Gemeckere gegen Photovoltaik anlagen verstehen.

    Da wir es aber nicht sind, und die Deutschen von morgen ihren Strom selbst, d.h. auf dem Dach erzeugen, ist es jetzt zwar mit PV teuer, aber der Know How Vorsprung sichert hier die Arbeitsplätze und das ist wichiger als höhere Arbeitslosigkeit und bis 2050 laufende Atomkraftwerke.

    Die Mehrheit der Deutschen nimmt höhere Strompreise für eine um weltgerechte Erzeugung in Kauf und akzeptiert das. Das GG verbietet die Produktion von Atommüll.

    ist das noch nicht im Hb angekommen?

  • Wer heute schon weiß, wie hoch die inflation der nächsten 20 Jahre sein wird (hier 0%),
    und wer heute schon weiß, wie hoch die Energiepreise in den nächsten 20 Jahren steigen werden (hier 0%),
    der möge das Rechenbeispiel ernst nehmen.

    bei einer moderaten inflation und Energiepreissteigerung sieht das Zahlenwerk total anderst aus,
    ganz abgesehen von höheren Steigerungsraten.

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