Sommerreise
Go, Angie, go

Mit eiserner Hand versucht Merkel, die CDU wieder auf Kurs zu bringen. Auch viele ihrer Parteimitglieder sind gegen Hartz IV, spürt sie während der Sommerreise.

HB MAGDEBURG. Endlich kann sich der Landrat mal vor großem, vor Berliner Publikum produzieren. „Hartz IV, das ist bestimmt Top für Bayern oder Baden-Württemberg. Aber für die Probleme im Osten ist das überhaupt nicht geeignet.“ Je länger Thomas Webel, der CDU-Landrat, redet, desto mehr verdunkeln sich die Gesichtszüge seiner großen Vorgesetzten. Düsteren Blickes scheint Angela Merkel die Bretter auf dem Bühnenboden zu zählen. Und so etwas nennt sich im sachsen-anhaltinischen Freyburg „CDU-Sommerfest“.

Ab und an wirft Merkel unwirsch einen Blick nach links, dorthin, wo sie den Kämpen gegen die Hartz-Reform vermutet. Sie schaut ihn nicht einmal direkt an. Thomas Webel ist ein aufstrebender, besonders ehrgeiziger Landrat der CDU aus dem Ohre-Kreis in der Nähe Magdeburgs. Und er kommt an beim Rest des Publikums. Merkel lernt: Zurzeit gibt es viele Webels in der CDU und im Osten. Sie alle spielen Basis. Und Merkel kommt damit nicht zurecht.

Auch in Freyburg, dort, wo der phänomenale Ostbetrieb Rotkäppchen (auch dank westlicher Investoren) die Westmarke Mumm geschluckt hat, ist Merkel der Verdruss anzumerken. Der gedrungene Mann mit der runden Stirnglatze und dem dicken schwarzen Schnauzer vermasselt ihr die Show. Die mühsam aufgebaute Fassade der Einigkeit in der Union kracht zusammen.

Noch am Morgen herrschte heile Welt. Da hatte die CDU-Chefin, zusammen mit dem Parteivorstand, in der Stadt Brandenburg an der Havel mit viel Medien-Tamtam eine gloriose „Brandenburger Erklärung“ unters Volk gebracht. Die Botschaft: Die Regierung fordert den Leuten viel ab, die Opposition will sie jetzt fördern. Merkel hat dabei auch ausdrücklich die Unterstützung der Regierungspläne beteuert – und ihre Ministerpräsidenten gleich mit auf Linie gebracht. Endlich, so schien es, hatte die Chefin die unwirschen Ossis in der Partei beruhigt und die wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Georg Milbradt aus Sachsen und Jörg Schönbohm aus Brandenburg an die Leine genommen.

Genau so stellt man sich eine Chefin vor, wenn sie frisch aufgetankt aus den Ferien hinter den Bergen zurückkehrt. In Brandenburg setzt sie sich für die Fotografen an das Steuer eines Trabis. Das Motto ist klar: Go, Angie, go!

„Da muss wieder mehr Zug rein“, hat sie sofort nach ihrem Urlaub gewittert und gibt das am Abend auch freimütig bekannt: Schluss mit dem Chaos. „Dafür genau macht man doch gemeinsame Erklärungen: Alle unterschreiben, und alle machen mit.“ Mitgefangen, mitgehangen?

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