Sommerreise
Merkel sucht Nähe zu Mittelständlern

Angela Merkel besucht bei ihrer Sommerreise zahlreiche mittelständische Unternehmen. Die Kanzlerin will die Bedeutung der kleinen Unternehmen würdigen und sich darüber informieren, wie die Mittelständler die Krise meistern. Erfolgsstories wie die der Silbitz Guß GmbH in Thüringen kommen gut an im Wahlkampf.

BERLIN. Geplant war die Reise schon Anfang des Jahres, aber die akute Krisenbekämpfung machte alle Terminpläne zunichte. Am heutigen Dienstag nun bricht Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrer Sommerreise durch Deutschlands Mittelstand auf.

Den Anfang am heutigen Dienstag markiert ein Besuch bei der Silbitz Guß GmbH im gleichnamigen Ort Silbitz in Thüringen. Das Unternehmen mit 580 Mitarbeitern engagiert sich laut Kanzleramt beispielhaft in der Berufsausbildung - ein wichtiges Thema für die Kanzlerin. Außerdem kommt der Spezialhersteller im Bereich Energie- und Kraftwerkstechnik bislang gut durch die Krise; Erfolgsstories sind zu Beginn des Wahlkampf immer beliebt.

Am morgigen Mittwoch folgt der mit 54 Mitarbeitern kleinste Betrieb der Kanzlerreise, nämlich die auf ökologisches Bauen ausgerichtete Opitz Holzbau GmbH im brandenburgischen Neuruppin. Am Donnerstag besucht Merkel dann zwar keinen Mittelständler, sondern die Festveranstaltung zum 100 Firmenjubiläum von Audi beziehungsweise dessen Vorgängerunternehmen Horch. Dafür folgt am Freitag mit der Bionorica AG in Neumarkt in der Oberpfalz wieder ein typisch mittelständisches Unternehmen aus dem Bereich Phytopharmaka mit rund 870 Mitarbeitern. Bis zum 20. August werden viele weitere Mittelständler Besuch von der Kanzlerin erhalten.

Merkel will sich darüber informieren, wie die Unternehmen bislang durch die Krise kommen, wie es um die Jobs steht, bei welchen Schwierigkeiten wie etwa der Kreditvergabe die Politik helfen kann und ob die Krise als Chance genutzt wird, mit neuen Produkten und Innovationen wieder gestärkt aus dem Konjunkturtal hervorzugehen.

Politisch ist die Reise zu Beginn des Bundestagswahlkampfs natürlich auch eine Verbeugung der CDU-Chefin Merkel vor dem Mittelstand. Als Motor für Beschäftigung und Ausbildung wird die Kanzlerin die Unternehmer loben. Sie will aber auch dem reflexhaften Vorurteil vieler Mittelständler begegnen, dass die Politik gerne den großen Firmen beispringt und die kleinen vergisst. Die Zahlen sprechen dagegen: 96 Prozent der Anträge für das Kreditprogramm der KfW in der ersten Jahreshälfte wurden etwa von Mittelständlern gestellt. 42 Prozent wurden bewilligt, 16 Prozent abgelehnt, der Rest ist noch nicht entschieden. Ein Drittel der Anträge geht auf die Finanzierung von Betriebsmitteln. Insgesamt haben die Kredit- und Bürgschaftsprogramme ein Volumen von 115 Mrd. Euro - bewilligt wurden bislang lediglich gut fünf Milliarden. Es ist also noch Luft für weitere Hilfe.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%