Sonderparteitag
CSU-Parteitag: Die Seehofer-Show

Leben und Leben lassen – mit diesem Motto eines Liberalen empfiehlt sich Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag als neuer Vorsitzender. Doch in seiner Rede gibt er den Kurs für die Partei in München und Berlin deutlich vor. Ob Erbschaftsteuer, Pendlerpauschale, oder Steuersenkungen – Seehofer grenzt die CSU auf breiter Front von der CDU ab. Doch nicht nur in Berlin, auch in Bayern muss sich Seehofer jetzt bewähren. Wie schwer die Einigung der nach der Wahlniederlage verunsicherten CSU wird, zeigen Pfiffe für Edmund Stoiber und das schlechte Wahlergebnis von Peter Ramsauer.

MÜNCHEN. Da war alles drin. Ein Seitenhieb auf die alte Führung und auch Selbstkritik. Schmeichelnde Worte für die Konservativen und harte Hiebe Richtung Berlin. Bei seiner Bewerbungsrede auf dem CSU-Parteitag in München hat Horst Seehofer sich und den seinen nichts geschenkt.

Der Mann, den sie später mit 90,34 Prozent zum neuen Vorsitzenden küren werden, hält beide Hände ausgebreitet. Ein bisschen sieht er aus wie die Geistlichen, die der Versammlung zu Beginn ihren Segen erteilt haben. Er soll die CSU zu den gewohnten Erfolgen zurückführen. Er soll der Bundesregierung in Berlin zeigen, dass die kleine Partei im Süden eine eigene Meinung hat. Und er die CSU einen, in der sich Franken und Oberbayern nach dem Rausschmiss Günther Becksteins immer noch nicht grün sind.

Seehofer spürt diese Erwartungen, „Ich bin kein Messias“, sagt er. „Doch von der nächsten Woche an werde ich missionarisch in Bayern von Franken bis Schwaben unterwegs sein. Meine Aufgabe ist jetzt, alle Volksstämme zu einen.“ Seehofer weiter: „Jeder, der immer noch denkt, ich sei ein Einzelgänger, einer der sich tagelang mit Tütensuppen und Bananen wegsperrt, wie es die Medien berichten, der wird sich jetzt wundern“, sagt Horst Seehofer. Selbstironie? Das gehörte bislang nicht zur Stärke derer in der ersten Riege der CSU.

Im Führungsdrama bei der Bayern LB mag Seehofer am Freitag eine erste Niederlage erlitten haben, weil er Vorstandschef Michael Kemmer fürs erste nicht aus dem Amt drängen konnte. In der CSU hat ihm das nicht geschadet, das zeigt das gute Ergebnis, mit dem die Partei ihren ewigen Außenseiter ausstattete. Seehofer umgarnte die CSU-Parteibasis geschickt. „Ich sage Ihnen, es ist nicht schön, Koalitionsverhandlungen zu führen. Lassen Sie uns von heute an dafür arbeiten, dass wir künftig keinen Koalitionsvertrag mehr brauchen“ Seehofers Arbeitsprogramm, das macht er damit klar, geht alle hier.

Denn auch das „niederschmetternde Wahlergebnis“ sei eine gemeinsame Niederlage gewesen, sagt er. „Da geht es nicht darum, wer hat 100 Gramm Verantwortung, oder ein paar Kilo. Das waren wir alle, auch ich.“ Die CSU sei zu selbstbewusst, zu arrogant gewesen. „Der Erfolg von gestern ist die größte Gefahr für den Erfolg von morgen“, sagt er. „Im Erfolg bescheiden, in der Niederlage stark“, diesen Grundsatz habe man missachtet. Edmund Stoiber, der Ehrenvorsitzende, dem viele nicht nur ein paar Kilo, sondern ganze Tonnen an Schuld für das Wahlergebnis geben, legt die Stirn in Falten und blättert, als hätte er heute noch viel zu entscheiden, in irgendeiner einer Akte. Als er am Morgen begrüßt wurde, haben sie ihn ausgepfiffen. Das hat es noch nie gegeben, bei der CSU.

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