Sondertreffen
Bund prüft Varianten für Bahn-Börsengang

Noch hat die Bundesregierung ihre ursprünglichen Pläne für einen Börsengang der Deutschen Bahn AG nicht aufgegeben. Bei einem Sondertreffen diskutierten Regierungsvertreter und Bahn-Chef Mehdorn verschiedene Modelle zur Bahn-Reform. Nach dem Treffen äußerte sich Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee optimistisch.

BERLIN. Bei einem Sondertreffen im Kanzleramt verständigten sich Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU), Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf verschiedene Modelle zur Bahn-Reform, die am Montag im Koalitionsausschuss beraten werden sollen. Dazu gehört nach Informationen aus Teilnehmerkreisen weiterhin auch eine Teilprivatisierung der Bahn in Kombination mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien. Einen Börsengang wesentlicher Teile der Bahn diskutierte die Runde ebenso wie eine Beteiligung von strategischen Investoren an Bahn-Tochterunternehmen im Logistikbereich, erfuhr das Handelsblatt.

Nach einem Beschluss des SPD-Parteitags, die Zustimmung zum Bahn-Börsengang von der Ausgabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht abhängig zu machen, steht der für nächstes Jahr geplante Börsengang kurz vor dem Aus. Die Union lehnt das SPD-Modell auch wegen der zu erwartenden Gewinnabschläge kategorisch ab. Ob sich die Spitzen der Koalition am Montag auf einen Kompromiss verständigen können, gilt als höchst unsicher.

Tiefensee äußerte sich nach dem Treffen dennoch optimistisch: „Wir sind auf sehr gutem Weg.“ Nach Ansicht des Verkehrsminister droht der Bahn und der gesamten Volkswirtschaft ein enormer Schaden, sollte die Bahn-Reform scheitern.

Tiefensee und Steinbrück betonten demnach in dem Gespräch, dass die Bahn dringend auf Geld vom Kapitalmarkt angewiesen sei, um im europäischen Wettbewerb bestehen zu können. Während Tiefensee die notwendigen Milliarden weiter über eine Teilprivatisierung der Bahn erreichen will, haben das Finanzministerium und das Kanzleramt erhebliche Zweifel. Bei den Gesprächen verständigte man sich deshalb nur darauf, in der nächsten Zeit eine Bahn-Reform zu realisieren, wobei der Börsengang der Konzernzentrale nur noch eine von mehreren Varianten ist.

Alternativ überlegt die Regierung, frisches Kapital über eine Teilprivatisierung des Güterverkehrs und der Logistik-Unternehmen der Bahn zu mobilisieren. Für diesen Bereich gibt es mehrere Interessenten, hieß es in Regierungskreisen. Denkbar sei auch eine Beteiligung von strategischen Investoren für diese Bereiche der Bahn. Beide Optionen hätten den Vorteil, dass die Regierung weiterhin eine umfassende Kontrolle über die Unternehmenspolitik der Bahn hätte.

Laut „Süddeutsche Zeitung“ könnte nach dem neuen Modell innerhalb des Bahnkonzerns eine Finanzholding gegründet werden, in der der gesamte Verkehr auf der Schiene und der Logistikbereich des Konzerns aufgehen. Neben dem Fern- und Regionalverkehr würden dazu auch die Speditionstochter Schenker und der Güterverkehr gehören.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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