Sorge über Zustand der CSU
Glos knöpft sich Seehofer vor

Zwei Monate nach seinem Rücktritt als Bundeswirtschaftsminister hat der CSU-Politiker Michael Glos mit Parteichef Horst Seehofer abgerechnet. Im Interview der „Bild“-Zeitung beklagte er den Umgang des CSU-Vorsitzenden, aber auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen mit ihm vor und nach dem Amtsverzicht im Februar.

HB BERLIN. Zugleich äußerte sich Glos kritisch über den Kurs der CSU und kündigte an, er wolle weiter politisch aktiv bleiben und auch erneut als Bezirksvorsitzender der Partei in Unterfranken kandidieren.

„Was die Partei jetzt braucht, ist Beständigkeit, Verlässlichkeit. Dass am Nachmittag noch gilt, was am Vormittag verkündet wird“, sagte Glos der Meldung zufolge. Seehofer war zuvor Wechselhaftigkeit auch im Umgang mit der Schwesterpartei CDU vorgeworfen worden. Glos erinnerte an den jahrzehntelangen Anspruch der CSU auf die absolute Mehrheit in Bayern. „50 Prozent plus X war immer die Messelatte“, sagte er. Heute scheine sich der ein oder andere in der Partei „innerlich schon damit abgefunden zu haben, dass es sich mit der FDP in München doch ganz gut regieren lasse“.

Glos kritisierte, weder der CSU-Chef noch Kanzlerin Merkel vor, hätten ihn nach dem Rücktritt angerufen. Er fügte allerdings hinzu: „Ich habe auch keinen Anruf vermisst.“ Nach mehrwöchiger Kur beklagte der Exminister auch sonst den menschlichen Umgangsstil in der Politik. „Zu denken gibt, wenn Leute, die noch vor ein paar Wochen den Diener nicht tief genug machen konnten - bis hin zu Staatssekretären - einen heute im Bundestag oder auch auf der Straße nicht mehr kennen wollen“, sagte er. Glos räumte ein, dass ein Zeitungsartikel, in dem bereits der CSU-Schatzmeister Thomas Bauer als möglicher Nachfolger genannt wurde, mit ein Auslöser für seinen Rücktritt war. „Sicher war dieser Artikel im „Donaukurier' ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, wird er zitiert.

Er wolle sich aber jetzt nicht in den Schmollwinkel stellen und sagen: Ich spiele nicht mehr mit, fuhr Glos fort. „Rache ist eine rückwärtsgewandte Denkweise“, sagte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister.

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