Sorgen in Deutschland
Trump wird neue Iran-Politik verkünden

  • 8

Deutsche Wirtschaft um Exporte besorgt

Die deutsche Wirtschaft befürchtet bei einem Ausscheren der USA einen massiven Rückschlag für das Iran-Geschäft. Eine Rückkehr zu den ausgesetzten US-Sanktionen gegen den Iran wäre „ein Schlag ins Kontor der sich wieder deutlich belebenden Handelsbeziehungen“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der Deutschen Presse-Agentur.

Würden die Sanktionen reaktiviert, wäre das eine „herbe Enttäuschung“, sagte Treier. „Auch die deutsche Wirtschaft hat sich darauf verlassen, dass die internationale Vereinbarung und damit die neue erleichterte Sanktionslage gilt.“

Der DIHK hatte große Hoffnungen in das Atomabkommen und die daraus folgende Aussetzung der Sanktionen im Januar 2016 gesetzt. Innerhalb von zwei Jahren erwartete der Wirtschaftsverband eine Verdoppelung des Handelsvolumens von 2,4 Milliarden (2015) auf fünf Milliarden Euro. Innerhalb von fünf Jahren seien sogar zehn Milliarden Euro möglich, so die Ursprungsprognose.

Die tatsächliche Entwicklung ist weit von den Erwartungen entfernt. Allerdings gab es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ein deutliches Wachstum bei den deutschen Exporten in den Iran um 23 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Bis Jahresende soll erstmals seit zehn Jahren die Marke von drei Milliarden Euro geknackt werden. Der Iran importierte dagegen zuletzt nur Waren für um die 300 Millionen Euro pro Jahr nach Deutschland.

Der „großen Durchbruch“ sei vor allem wegen anhaltender Probleme im Finanzsektor ausgeblieben, räumte Treier ein. „Aber immerhin bewegen wir uns auf einem für den deutschen Export ja deutlich überdurchschnittlichen Wachstumspfad mit dem Iran.“ Der würde bei einer Rückkehr zu den Sanktionen abgebrochen. Trotzdem sei nicht zu erwarten, dass die neu aufgebauten geschäftlichen Beziehungen im mittelständischen Bereich „wieder auf null zurückgefahren würden wie wir sie 2015 und 2014 hatten“.

Treier befürchtet aber, dass neue Kooperationsfelder brachliegen bleiben könnten. Der Iran habe die zweitgrößten Erdgas- und viertgrößten Erdöl-Reserven weltweit, sagte er. Die Erschließung dieses Potenzials werde bei einem neuen Sanktionsregime sehr schwer fallen. Der Investitionsbedarf in diesem Bereich wird laut Treier auf 900 Milliarden Euro bis 2023 geschätzt. „Davon sind noch nicht viele Projekte angegangen worden.“

Treier befürchtet, dass die Trump-Rede auch ohne die Wiedereinsetzung von Sanktionen negative Auswirkungen haben könnte, wenn der US-Präsident das Abkommen nicht bestätigt. „Je größer das Unternehmen und je stärker es exponiert ist in den USA, umso mehr würde eine solche Interregnumsphase die Verunsicherung schüren“, sagte er. Solche Unternehmen würden zunächst von weiteren Aktivitäten erst einmal Abstand halten, um Sicherheit zu gewinnen.

Seite 1:

Trump wird neue Iran-Politik verkünden

Seite 2:

Deutsche Wirtschaft um Exporte besorgt

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sorgen in Deutschland: Trump wird neue Iran-Politik verkünden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr McGuire, ich seh schon einige Weltmarktführer, die starkes Potential im Iran hätten und hier ist der Zug einfach noch nicht angelaufen. Speziell in den Bereichen Ex-Schutz, Förder- und Ventiltechnik haben wir Milliardenabsatz-Chancen im Iran, da dort die Ölindustrie noch rückständig ist.

    Die Verhandlungen in den letzten Jahren haben zu einem vernünftigen Deal mit dem Iran geführt. Da darf man nicht nachlassen und muss weiter verhandeln. Das geht aber nicht mit 140 Zeichen. Ich sehe die Bereitschaft, irgendetwas durch Diplomatie zu lösen bei der aktuellen US-Regierung nicht.

  • Herr Hans Henseler - 13.10.2017, 10:21 Uhr

    meine Ausführungen zielen nicht in die Richtung, gegenüber den USA klein beizugeben, sondern auf die Ausführungen von Herrn Treier, der die aktuelle Bedeutung Irans für die deutsche Esportwirtschaft einfach überzeichnet.

    Zu Einbußen im USA-Geschäft der deutschen Wirtschaft: Das Volumen der Exportlieferungen ist mindestens 30 mal höher als in den Iran. Beispiel: Ein Rückgang um 10 % des USA-Geschäftes wurde mal eben rund 10 Milliarden Euro in einem Jahr ausmachen.

  • Nachdem alle gesehen haben , dass Nordkorea die A Bombe gebaut haben , haben sie danach auch die passenden Raketen gebaut, die jeden Punkt auf der Erde erreichen können.

    Der Iran hat ein Atomabkommen unterschrieben , aber das Raketenprogramm gehört nicht dazu.
    Also bauen die Iraner Raketen wie man sieht , die jeden Punkt der Welt bald anfliegen können.

    Danach brauchen sie nur noch die A Bombe die sie aus NK mit links bekommen
    oder können die sich billig in Russland kaufen und schon sind sie eine Atommacht.
    Das würde bedeuten , dass die Saudis sofort auch welche haben wollen
    und Israel dann wohl durchdreht.

    Also so unrecht hat Trump nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%