Sorgen und Ängste in Deutschland

Hoffnungseinbruch trotz guter Wirtschaftsdaten

Gewalt, Anschläge, Zuwanderung: Trotz guter Wirtschaftsdaten verschlechtere sich die Stimmungslage in der deutschen Bevölkerung, so eine Studie. Demnach blickt nur ein Drittel der Deutschen positiv ins nächste Jahr.
Viele Deutsche sind wegen Zuwanderung und Terror verunsichert – daran können offenbar auch positive Wirtschaftsdaten nichts ändern. Quelle: dpa
Hoffnungseinbruch

Viele Deutsche sind wegen Zuwanderung und Terror verunsichert – daran können offenbar auch positive Wirtschaftsdaten nichts ändern.

(Foto: dpa)

BerlinSorgen vor Gewalt, Anschlägen und der Zuwanderung von immer mehr Flüchtlingen beherrschen einer Studie zufolge die Stimmungslage in Deutschland. Erst danach rangieren Befürchtungen vor unsicheren Renten oder steigenden Belastungen durch Steuern und Abgaben. Dies geht aus einer Analyse der Meinungsforscherin Renate Köcher für die SPD hervor, die Reuters vorliegt. Dem von Köcher am Donnerstag vor der SPD-Bundestagsfraktion vorgestellten Papier zufolge gab es einen „Hoffnungseinbruch trotz positiver Wirtschaftsdaten“: Im August hätten nur noch 36 Prozent der Befragten dem kommenden Jahr mit Hoffnungen entgegengesehen statt 56 Prozent vor Flüchtlingswelle und Terroranschlägen.

Die derzeitige Flüchtlingssituation macht den Menschen der Studie zufolge derzeit zwar deutlich geringere Sorgen als im Herbst vorigen Jahres. Im Juni 2016 hätten 32 Prozent „große Sorge“ geäußert, nach 53 Prozent im Oktober 2015. In dem Vortrag ist aber festgehalten: „Die Mehrheit ist überzeugt, dass sich die Situation nur vorübergehend entspannt hat.“

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Politik gering. 29 Prozent der Befragten gaben an, dass keine Partei die besten Ideen für den Umgang mit der Flüchtlingssituation habe. 13 Prozent schrieben der CDU das beste Konzept zu und neun Prozent der rechtspopulistischen AfD. Danach folgten CSU (8 Prozent), SPD (6), Linke (4), Grüne (4) und FDP (1).

„... dann ist das nicht mein Land.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August in Berlin
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„Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“

Angela Merkel in der „Rheinischen Post“ am 10. September
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„Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze. Das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs zu uns kommen.“

CSU-Chef Horst Seehofer im „Spiegel“ am 11. September zum Entschluss Merkels, Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland kommen zu lassen
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„Das war ein Fehler, der uns noch lange beschäftigen wird. Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen.“

Merkel am 15. September in Berlin
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„Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 6. Oktober
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„Die Bundeskanzlerin hat ja nicht gesagt: Wir schaffen das mit links.“

Auf einem Plakat von CDU-Mitglieder am 14. Oktober bei einem Regionalkongress der CDU im nordsächsischen Schkeuditz
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„Flüchtlingschaos stoppen - Deutsche Kultur + Werte erhalten - Merkel entthronen“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der „Welt“ am 19. Oktober
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„Die Flüchtlingskrise ist die größte Herausforderung, vor der Deutschland je stand. Größer als die Wiedervereinigung. Damals trafen Menschen aufeinander, die alle Deutsch sprachen und einen ähnlichen kulturellen Hintergrund hatten. Das ist heute anders.“

In der Bevölkerung gibt es demnach eine breite Unterstützung für mehr Polizisten (92 Prozent) und die Überwachung öffentlicher Plätze mit Videokameras (90 Prozent). Nur 27 Prozent geben an, dass die SPD für „Sicherheit, Bekämpfung der Kriminalität“ steht. Der Umfrage zufolge werden die Sozialdemokraten vor allem mit Mindestlöhnen (68 Prozent), sozialer Gerechtigkeit (57 Prozent) und der Gleichberechtigung von Frauen (54 Prozent) verbunden.

Dem Vortrag zufolge gaben 82 Prozent der Befragten an, sie hätten die Sorge, dass Gewalt und Kriminalität zunehmen. 74 Prozent befürchten, es könnte in Deutschland zu einem Terroranschlag kommen. Auf Platz drei der Sorgenskala rangierte mit 73 Prozent die Aussage, es könnten immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Auch die Sorge vor einem militärischen Konflikt ist mit 67 Prozent hoch. Erst danach kommen Befürchtungen, dass die Renten nicht sicher seien (59 Prozent) und dass Steuern und Abgaben steigen könnten (55 Prozent).

  • rtr
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