Sozialdemokraten
SPD-Spitze segnet Gabriel als Parteichef ab

Die Führung der SPD hat sich auf den ehemaligen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel als neuen Parteichef und Andrea Nahles als Generalsekretärin geeinigt. Das Präsidium will Gabriel vom Parteitag im November zum Vorsitzenden wählen lassen. Er soll die SPD aus der Krise führen, doch unumstritten ist er nicht.

BERLIN. Der 50-Jährige Gabriel tritt damit die Nachfolge von Franz Müntefering an, der nach dem SPD-Debakel bei der Bundestagswahl beim Parteitag Mitte November in Dresden nicht mehr antreten wird. Künftig wird es vier stellvertretende SPD-Vorsitzende geben. Dem Vernehmen nach sind Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, die nordrhein-westfälische SPD-Landeschefin Hannelore Kraft, der bisherige Arbeitsminister Olaf Scholz sowie die 35-Jährige Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig für diese Ämter vorgesehen.

Über diesen Personal-Vorschlag an den Parteitag Mitte November soll am kommenden Montag der SPD-Vorstand beraten, wie die SPD mitteilte. Zu dieser Sitzung sind auch die Landes- und Bezirksvorsitzenden eingeladen. Die SPD hatte nach der historischen Wahlniederlage beschlossen, ihre komplette Führungsspitze zu wechseln.

Der bisherige Umweltminister bringt weniger Nachteile mit sich als andere Kandidaten. Unter den Genossen ist er jedoch nicht unumstritten. Im Wahlkampf verteilte Gabriel eine Broschüre. Titel: "Sigmar Gabriel." Die 20 Seiten handelten vom Ehekrach der Eltern, von der Heimat Goslar, vom 15-Jährigen, der bei den Falken am Lagerfeuer seine Sprache schärfte ("besser als jeder Rhetorikkurs"), von seinen Freunden Peter Maffay und Udo Lindenberg und ja, von Gabriels Aufstieg: vom Ortsvereinsvorstand bis zum "Durchstarter" im Landtag. Das war vor sieben Jahren.

Es könnte die Biografie eines Politikers sein, der es ganz nach oben geschafft hat. Gabriel mochte sich 2002 so fühlen, war er doch 1999 mit nur 39 Jahren Ministerpräsident geworden - weil sein SPD-Vorgänger über einen Skandal gestolpert war. Doch als er sich erstmals den Niedersachsen zur Wahl stellte, verlor er.

Der ehemalige Volkshochschullehrer gehört seit 1977 der SPD an. Er bewundert Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ihn in Niedersachsen förderte. Seit 2005 wirbelt der heute 50-Jährige als Bundesumweltminister und hat währenddessen den Aufstieg der elf Jahre jüngeren Andrea Nahles beäugt. Sie ist stellvertretende Parteichefin, während er 2007 den Sprung ins Präsidiums verpasste. Die Linken um Nahles wollten ihn nicht, Klimaschutz und Eisbär Knut hin oder her.

Jetzt aber, im Jahr 2009, befindet sich die SPD seit dem unfassbaren Ergebnis vom Sonntag im Schockzustand. In diesem Moment haben die Genossen hingenommen, dass Frank-Walter Steinmeier sich den Fraktionsvorsitz sicherte, den Gabriel immer wollte. Er stellte sich die Frage: Warten oder nach dem Parteivorsitz greifen?

Im Moment der Krise hat er sich in mehreren Gesprächen mit Nahles verständigt. Auch die mächtigen Landesvorsitzenden hatten kaum eine Wahl: Da war Nahles, die selbst nicht wollte. Da war Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, der noch nie ein Parteiamt inne hatte. Und da war Arbeitsminister Olaf Scholz, der mit dem Kurzarbeitergeld und den Mindestlöhnen glaubhaft für die SPD steht, aber kein Medienstar ist.

Seite 1:

SPD-Spitze segnet Gabriel als Parteichef ab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%