Sozialdemokraten tun sich schwer mit Anhebung
Union und SPD streiten über das Rentenalter

Union und SPD ringen in der Frage des Renteneintrittsalters um eine gemeinsame Linie. Während sich am Wochenende in der Union Zustimmung für die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre abzeichnete, blieben SPD-Politiker zurückhaltend.

str BERLIN. „Wir haben uns in dieser Hinsicht noch nicht festgelegt“, sagte Klaus Brandner, arbeitsmarktpolitischer Experte der SPD, dem Handelsblatt. Die Debatte laufe noch. Zuvor hatte bereits SPD-Chef Franz Müntefering gesagt, der Anstieg des Renteneintrittsalters sei ein langfristiges Vorhaben. „Das wird im nächsten oder übernächsten Jahrzehnt sein“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Union und SPD hatten am Donnerstag nach der dritten Runde ihrer Koalitionsverhandlungen angekündigt, dass sie in den Jahren 2007/2008 über eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre entscheiden wollen. Wer nach der geplanten Regelung mit 65 in Rente ginge, müsste Abschläge in Kauf nehmen. CDU-Chefin Angela Merkel hatte gesagt, dies betreffe erst jene Beschäftigten, die 1970 oder später geboren seien.

Derzeit vermindert sich die Rente um 3,6 Prozent für jedes Jahr des Rentenbeginns vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Das faktische Renteneintrittsalter hat sich in den vergangenen Jahren wieder leicht erhöht und liegt jetzt im Durchschnitt bei 60,8 Jahren (1998: 59,7).

Brandner sagte, es gehe nicht in erster Linie um das Renteneintrittsalter, sondern vielmehr darum, dass mehr ältere Menschen länger in Arbeit blieben. „Da brauchen wir eine Offensive. Nur 39 Prozent der 55- bis 64-Jährigen arbeiten noch. Damit liegen wir im EU-Durchschnitt ganz hinten. Das können wir uns nicht erlauben.“ Die demografische Entwicklung mache es dringend erforderlich, das Know-how älterer Arbeitnehmer zu sichern. „Die Politik muss dafür heute die Weichen stellen“, sagte Brandner. Dazu gehöre es, Weiterbildungsmaßnahmen zu unterstützen. Daneben sei eine Vielzahl verschiedener materieller Fördermaßnahmen denkbar. Brandner nannte Lohnausgleichszahlungen für ältere Arbeitnehmer, die auf einen schlechter bezahlten Job wechseln, sowie Entlastungen bei den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung. „Instrumente wie Lohnzuschüsse gibt es ja heute schon, wir sollten sie nur stärker auf ältere Arbeitnehmer fokussieren“, forderte der SPD-Politiker.

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