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12.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 14:22 Uhr 
Wirtschaftswunder

Soziale Marktwirtschaft: Was vom Erbe übrig bleibt

von Dietrich Creutzburg

Ludwig Erhard gilt als Vater des Wirtschaftswunders. Vor 60 Jahren setze er die Freigabe der Preise in einem Zug mit der Einführung der D-Mark durch und stellte damit die Weichen von Plan- auf Marktwirtschaft. Statt auf Preiskartelle und Staatsintervention setzte er darauf, Fortschritt und Gewinne zu sozialisieren. Heute steht sein Gesellschaftskonzept vor neuen Herausforderungen.

Ludwig Erhard ist der Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft. Foto: APLupe

Ludwig Erhard ist der Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft. Foto: AP

BERLIN. Ob sich Ludwig Erhard wohl darüber freuen könnte? Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute Vormittag im Wirtschaftsministerium ihre Festrede zum 60. Jahrestag der Sozialen Marktwirtschaft hält, kommt sie fast auf direktem Weg aus dem Koalitionsausschuss. Ihre Eindrücke werden noch frisch sein – auch davon, wie sie sich in nächtlicher Sitzung bemüht hat, CDU/CSU und SPD auf einen gemeinsamen Kurs hin zu neuen Mindestlöhnen einzuschwören.

Merkel könnte bei ihrer Rede im Angesicht von Wirtschaftsminister Michael Glos und der Büste seines berühmten Amtsvorgängers darauf verweisen, dass sie mit dem „Gesetz über Mindestarbeitsbedingungen“ ja gerade ein Regelwerk nutzen will, dessen Ursprünge in der Gründungszeit der Sozialen Marktwirtschaft liegen: Das noch nie angewendete Gesetz wurde Ende 1951 mit einer Mehrheit aus Union und SPD beschlossen. Was die Legendenbildung allerdings erschwert: Anders als es CDU-Sozialpolitiker heute gerne verbreiten, hat nicht Erhard das Gesetz erfunden – die eigentliche Triebkraft dahinter war schon damals die SPD.

Anlass für das in diesen Tagen zu feiernde Jubiläum ist vielmehr die von Ludwig Erhard im Juni 1948 durchgesetzte Aufhebung staatlicher Preiskontrollen in einem Zug mit der Einführung der Deutschen Mark. Was seinen späteren Ruhm wesentlich mitbegründete, war eine geradezu heldenmütige Sturheit, Überzeugungen in Taten umzusetzen. Die Freigabe der Preise verkündete Erhard, damals Direktor der Wirtschaftsbehörde der britisch-amerikanischen Zone, ohne Rücksprache mit der Militärregierung – und stellte die Weichen damit ebenso abrupt wie effektiv von Plan- auf Marktwirtschaft.

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