Soziale Medien als Kampfinstrument: Wie Facebook die AfD-Krise befeuert

Soziale Medien als Kampfinstrument
Wie Facebook die AfD-Krise befeuert

Bei der AfD vergeht kaum ein Tag, an dem nicht gestritten wird. Derb geht es dabei bei Facebook zur Sache. Dass die Konflikte dort offen ausgetragen werden, verschärft die schwierige Lage der Partei noch.
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BerlinIm Richtungsstreit der Alternative für Deutschland (AfD) dienen Social-Media-Plattformen wie Facebook als Kampfinstrumente. Parteiinterne Debatten über den richtigen politischen Kurs werden dort offen und schonungslos ausgetragen.

Selbst unscheinbare AfD-Kreisverbände haben die Partei mit ihren scharf formulierten Postings schon in die Bredouille gebracht, wie der Boykottaufruf gegen Rewe zeigt. Auch das derzeitige Chaos um die Verlegung des für Mitte Juni geplanten Bundesparteitags wird scharf kommentiert. Dabei nehmen selbst Top-Parteifunktionäre kein Blatt vor den Mund.

Kurz nachdem sich der Bundesvorstand der Partei mehrheitlich und damit im Sinne von Parteichef Bernd Lucke für eine Absage des Delegierten-Parteitags in Kassel am 13. Und 14. Juni ausgesprochen hatte, meldete sich die Co-Parteichefin Frauke Petry auf ihrer Facebook-Seite zu Wort:

„Es entspricht nicht der Wahrheit, dass das Bundesschiedsgericht das tatsächliche Anfechtungsrisiko des Parteitags sachlich dargelegt hat“, erklärt Petry, die den national-konservativen AfD-Flügel anführt und in dieser Position als erbittertste Gegnerin Luckes gilt. Es gebe zwar Anfechtungen der Delegiertenwahlen im Saarland, in Hessen und in NRW, das tatsächliche Risiko jedoch, dass diese Anfechtungen den Parteitag gefährden könnten, sei gar nicht dargelegt worden, weil sich das Schiedsgericht dazu gar nicht ohne Anlass äußern dürfe.

„Für die Partei als ganzes“, so Petry, „bedeutet dies, dass die inhaltliche Hängepartie weitergeht, möglicherweise sogar bis zum Herbst.“ Sie werde aber „nach Kräften versuchen, die Themen unserer Partei in den politischen Diskurs einzubringen, denn genau dafür haben uns die Wähler gewählt“.

Solche Postings provozieren Reaktionen - im besten Fall im Sinne des Kommentarschreibers. Ein Steve Noll etwa schreibt – wohl ganz nach dem Geschmack Petrys: „Die AfD muss sich so schnell wie möglich von Lucke, Henkel und Co. entledigen. So eine neoliberale Linie will keiner der Wähler und wird sowieso schon von der FDP bedient.“ Und ein Rainer No ergänzt: „Werft endlich den Lucke und sein Gefolge raus. Ne Diktatur braucht hier keiner mehr.“

In dieser Weise laufen viele Debatten in der AfD ab. Und die sozialen Medien helfen, sie zu befeuern. Der frühere Chef der NRW-AfD, Alexander Dilger, sieht darin eine der Ursachen für die Schieflage der Anti-Euro-Partei. In seinem Blog hat der Wirtschaftsprofessor an der Universität Münster zehn Fehler der AfD aufgelistet. Einer davon ist die Nutzung sozialer Medien, die, wie er schreibt, nicht seriös genug eingesetzt würden. „Insbesondere bei Facebook gibt es schlimme Beiträge und Kommentare, die den Ruf der Partei beschädigen und weitere problematische Personen als Mitglieder anlocken“, klagt Dilger.

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  • An Kritiker der sozialen Medien gerichtet, einmal die Frage, wie sich Mitglieder einer Partei dann überhaupt noch in großer Zahl austauschen sollen. Oft trifft sie gar nicht die Schuld am Vorgehen der Spitze. Die politische Richtung der AfD wird heute von Zeitungen und Talkshows bestimmt. Und wie diese aussieht, war in der Vergangenheit kaum zu übersehen. Da wird ein Opfer und 3 Gegner eingeladen, um den Stier möglichst schnell erlegen zu können, wenn nicht - wie im Fall Michael Friedmann - der Moderator mit eigener Vergangenheit, zum Abschluss selbst noch das Ohr abschneidet. Eine manchmal widerliche Medienkultur, die ich mir oft gar nicht mehr ansehen kann. Der Fall "Alternative für Deutschland" hat aber auch seine Besonderheiten und ist mit zunehmender Unsicherheit der europäischen Finanzen durchaus als außergewöhnlich zu betrachten. Nicht nur der Einzug in Landesparlamente, sondern auch ein schneller Zuwachs von Stimmenanteilen an der Bundestagswahl, haben zwar Angela Merkel & Co. erst einmal aufatmen lassen, wurden von den Nachwehen aber sehr schnell wieder eingeholt. Wie schön, dass gerade noch rechtzeitig die ersten Pegida-Demonstrationen kamen. Hier hat besonders Alexander Gauland die Richtung völlig verloren, als er als Privatmann gekleidet, fleißig mitmarschiert ist und auch sein Wohlwollen mit der Bewegung signalisiert hat. Schon von da an war mir klar, wie rechts seine eigentliche Gesinnung ist, die Bernd Lucke mit Sicherheit so nicht gewollt hat. Heute stehen sich die Verbündeten Gauland/Petry und das ehemalige CDU-Mitglied als Feinde gegenüber. Und es ist nur der Kraft der sozialen Netzwerke zu verdanken, dass aus einem angedachten Delegiertenparteitag nun eine Veranstaltung geworden ist, deren Ergebnis von der Basis bestimmt wird. Gut, dass es die sozialen Netzwerke, wie in diesem Beispiel "Facebook" gibt. Aber deren Kritiker werden ja durchaus auch von den Medien ertragen. Schade, dass Zeitungen nicht von der Basis gewählt werden. Manfred Festa.

  • Etliche Artikel zu dem gleichem Thema und zwar an ein und dem selben Tag befeuert eher die Krise in der AfD. Aber davon leben ja die Medien das alles überdramatisiert und tausende Male durchgekaut wird.

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