
MünchenJeder vierte Beschäftigte, der arbeitslos wird, ist einem Zeitungsbericht zufolge sofort auf Hartz IV angewiesen. Dabei handelt es sich häufig um Geringqualifizierte, knapp ein Drittel war zuvor als Leiharbeiter tätig, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag unter Berufung auf eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Die Zahl der neuen Arbeitslosen, die direkt in die staatliche Hartz-IV-Grundsicherung absteigen, hat demnach seit 2008 deutlich zugenommen.
Wer in den letzten zwei Jahren vor Verlust seiner Stelle mindestens ein Jahr in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) I. Es wird in der Regel zwölf Monate ausgezahlt, Langzeitarbeitslose erhalten danach Hartz IV. Die BA-Analyse ergab nun, dass immer mehr neu arbeitslos gewordene kein oder zu wenig Geld aus der Arbeitslosenversicherung bekommen. „Entweder war die Beschäftigungszeit zu kurz, um Ansprüche zu erwerben, oder das früher erzielte Lohneinkommen war zu niedrig, um mit dem daraus abgeleiteten Arbeitslosengeld-Anspruch den Bedarf zu decken und muss mit Arbeitslosengeld II aufgestockt werden“, heißt es in dem Papier.
Im Konditorenhandwerk in Bayern etwa beginnt der Tarifverdienst bei 5,26 Euro je Stunde.
Auch Fleischer in Sachsen (6,00 Euro je Stunde).
Gärtner in Brandenburg (6,46).
Mitarbeiter im Hotel- und Gaststättengewerbe (6,29) erhalten bisweilen weniger als 6,50 Euro je Stunde.
Der tarifliche Anfangsverdienst für Bäcker- und Konditorengesellen liege in Mecklenburg-Vorpommern bei 6,97 Euro.
Beschäftigte mit bestandener Gesellenprüfung im Friseurhandwerk Schleswig-Holstein bekommen 7,00 Euro.
Derzeit gelten in Deutschland in zehn Branchen - darunter vier Baubranchen - allgemeinverbindliche Mindestlöhne. Diese reichen von 6,53 bis 11,53 Euro je Stunde.
Nach den Daten des Bundesamtes liegt der Mindestlohn im früheren Bundesgebiet bei Wäschereidienstleistungen und größtenteils im Wach- und Sicherheitsgewerbe bei weniger als 8,00 Euro je Stunde. In den neuen Ländern werden 8,00 Euro des Weiteren bei der Gebäudereinigung und in der Pflegebranche unterschritten.
Nach Angaben der Bundesagentur verloren in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende November 2011 etwa 2,8 Millionen Beschäftigte ihren Job. 737.000 rutschten danach sofort in das Hartz-IV-System ab, pro Monat waren dies 61.000. Vor drei Jahren, im November 2008, waren es monatlich noch 51.000. Das Risiko, als Arbeitsloser direkt zum Hartz-IV-Fall zu werden, hängt demnach maßgeblich von der Qualifikation ab: Bei Fachkräften passiert dies laut BA nur etwa in jedem fünften Fall. Bei Geringqualifizierten muss fast jeder zweite sofort Leistungen der staatliche Grundsicherung beziehen. Branchen mit hohem Anteil an ungelernten Arbeitskräften wie Gastgewerbe und Leiharbeit sind dabei dem Bericht zufolge besonders stark vertreten.
Für die Redakteure:
Die Überschrift könnte genau so heissen:
"Immer mehr Menschen rutschen direkt unter Artikel 11 des Grundgesetzes"
Das mag so Manchem entgehen, dass mit Hartz4 nicht nur ein wirtschaftlicher Status gemeint ist,
sondern dieser Personenkreis
EIGENS sogar im Grundgesetz erfasst ist.
Dieser Artikel läßt mich erschrecken und er zeigt eine weitere Facette der Leiharbeit.
Was mir nicht gefällt, ist der Ausdruck: häufig um Geringqualifizierte. Dies ist so nicht ganz richtig. Wird z. B. ein hochqual. AN über 50 arbeitslos (z. B. Insolvenz)hat er kaum Chancen, sondern geht für die Hälfte oder weniger arbeiten. Das ändert aber an seiner Qualifizierung nichts. Auch bei Leiharbeitern haben die meisten eine gute Ausbildung. Stehen aber neben der Stammbelegschaft am Band und machen dieselbe Arbeit für weniger als die Hälfte. Wenn dann ein Leiharbeiter oder Niedriglöhner arbeislos wird, bekäme er zwar ALG 1. Dies ist aber weniger als Hartz 4. Also gleich Hartz 4.
@Rene
Man kann Fakten falsch deuten, aber man sollte Fakten nicht ignorieren oder abstreiten.
Fakt ist: Die SPD mit den Grünen hat die Agenda 2010 und die Leiharbeit beschlossen und umgesetzt. Schrödersche Basta Politik.
@Margrit
Welcher Buchstabe bei SPD meiner Meinung gar nicht mehr passt, ist das S für Sozial.
Laut Frau Nahles ist ja nun die Selbstreinigung der SPD abgeschlossen. Gleichzeitig lehnt man eine Korrektur der Kalten Progression mit der fadenscheinigen Begründung der Finanzierung ab. Eine Finanzierung ist nicht nötig, da die höhere Besteuerung des Einkommens ungerecht, unmoralisch und von den Vätern der BRD nicht gewollt war.
Ich gehe sogar soweit, die SPD hautverantwortlich zu machen für den Aussenhandelsüberschuß auf dem Buckel des kleinen Mannes. Dieser Überschuß bereitet EU mäßig große Probleme.
@Erich-
Selbstständige haben im Normalfall keine Beiträge in die ALV eingezahlt und werden wie AN behandelt. Sie bekommen nichts ausser Hartz 4
Schönen Abend noch.
Auch ehemalige gut qualifizierte ältere Selbständige, die auf grund der Wirtschaftskrise aufgeben müssen, gehen sofort oder nach dem Aufbrauchen von Reserven sofort in Harz 4. Sie bekommen vom Jobcenter kein ALG 1 und keine Unterstützung bei der Job suche sondern erst bei Harz 4, um Geld zu sparen. Wer länger selbständig war wird von den Firmen oft nur eingestellt wen er in Not und erpressbar ist.
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