Sozialgerichts-Urteil
AOK darf nicht für Versandapotheken werben

Das Sozialgericht Frankfurt am Main hat mit einem Urteil Entlastungen für Krankenversicherte erschwert: Die hessische AOK darf bei ihren Versicherten fortan nicht mehr für Versandapotheken werben, die Medikamente vielfach günstiger anbieten als niedergelassene Apotheker.

HB FRANKFURT AM MAIN. Die Richter untersagen der AOK Hessen in ihrem am Dienstag bekannt gewordenen Urteil, Versicherte etwa telefonisch aufzufordern, Medikamente bei namentlich benannten Versandapotheken - unter anderen dem niederländischen Anbieter DocMorris - zu beziehen. Die AOK hatte mit günstigeren Preisen und daraus folgenden Millioneneinsparungen für alle Versicherten argumentiert. Geklagt hatte der Hessische Apothekerverband (HAV), der Nachteile für öffentliche Apotheken in dem Bundesland sah. Gegen das Sozialgerichtsurteil (Az.: S 21 KR 429/06 ER) ist binnen vier Wochen Beschwerde beim Hessischen Landessozialgericht möglich.

Das Gericht betonte, nach geltendem Recht dürften „die Versicherten und die Vertragsärzte weder von den Apotheken hinsichtlich der Verordnung bestimmter Mittel noch von den Krankenkassen zu Gunsten bestimmter Apotheken beeinflusst werden“. Die vertraglichen Vereinbarungen über Rabatte zwischen der AOK und einzelnen Versandapotheken wertete das Gericht als „erschwerend und ausschlaggebend“ zu Lasten der Kasse.

Der Vorsitzende des Apothekerverbandes, Peter Homann, zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung des Gerichts. „Die Zahl der AOK-Versicherten, die auf Grund der massiven Werbemaßnahmen total verunsichert in die Apotheken kamen, war enorm“, sagte Homann. „Diese glaubten, dass sie Arzneimittel nur noch beim anonymen Versandhandel ohne persönliche Beratung in der Apotheke beziehen dürften.“ Ein AOK-Sprecher sagte: „Wir prüfen den Beschluss und werden erst im September entscheiden, wie wir damit umgehen.“ Er betonte: „Wenn uns Versicherte auf Versandhandel ansprechen, werden wir sie weiterhin darüber aufklären.“

Hessens größte gesetzliche Krankenkasse mit 1,7 Millionen Versicherten hatte seit Jahresbeginn unter anderem telefonisch darauf aufmerksam gemacht, dass Preise für nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel bei Versandapotheken um bis zu 50 Prozent unter denen von örtlichen Apotheken liegen. Mit einigen Versandhändlern legte die Kasse für Impfstoffe und Blutzuckerteststreifen Rabatte von bis zu 16 Prozent vertraglich fest. Vertragspartner der AOK sind außer Doc Morris beispielsweise Sanicare und die Luitpold-Apotheke im bayerischen Bad Steben. Bei Versandhändlern können Präparate per Internet, Telefon oder Freiumschlag bestellt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%