Sozialpartner lehnen „Verschulung“ der Lehre ab
Gewerkschaften gegen Berufsbildungsreform

Der Widerstand gegen die von Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) geplante Reform der Berufsausbildung wächst. Nach den Wirtschaftsverbänden haben sich auch die Gewerkschaften in scharfer Form gegen die Pläne Bulmahns gewandt.

BERLIN. Die Novelle werde die Krise am Lehrstellenmarkt beschleunigen, warnen IG Metall und Verdi in einer gemeinsamen Stellungsnahme, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Novelle des Berufsbildungsgesetzes von 1969 soll bis zum Sommer vorliegen, im Herbst verabschiedet werden und möglichst Anfang 2005 in Kraft treten.

Im Zentrum der Angriffe steht der Plan Bulmahns, künftig auch Absolventen von rein schulischen Ausbildungen zu Kammerprüfungen zuzulassen. Die Folge wäre, dass die Unternehmen noch weniger Lehrstellen anböten, wenn die Schulen ihre Aufgabe übernehmen, fürchten die Gewerkschafter. „Berufspraxis und Betriebserfahrung“ wären nicht länger typische Merkmale der Berufsausbildung, der Gesellenbrief entwertet, Betriebe könnten sich nicht mehr wie bislang auf ihn verlassen. Auch die Wirtschaft hatte vehement vor der „Verschulung“ der Ausbildung gewarnt.

Bulmahn hält die aktuelle Notlage dagegen: Angesichts von rund 190 000 Jugendlichen, die derzeit eine solche Ausbildung außerhalb der Unternehmen machten, sei eine solche „Vernetzung“ unverzichtbar. Klaus Heimann, Ausbildungsexperte der IG Metall, fürchtet hingegen eine „Strukturentscheidung“, die „später kaum noch rückgängig zu machen ist“ und „die Arbeitgeber aus der Pflicht nimmt“. Zudem fehle den Berufsschulen die nötige Kapazität, die auch nicht beliebig auf und abgebaut werden könne.

Seite 1:

Gewerkschaften gegen Berufsbildungsreform

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%