Sozialverband kritisiert Ex-Bundespräsident
„Christian Wulff verhöhnt Hartz-IV-Bezieher“

Zwei Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt als Bundespräsident meldet sich Christian Wulff zurück. In Berlin stellt er sein neues Buch „Ganz oben, ganz unten“ vor. Schon der Titel provoziert harsche Kritik.
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BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbands, Ulrich Schneider, hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff für dessen Buch „Ganz oben, ganz unten“ scharf attackiert. Der Titel des Buchs sei „ein peinlicher Fehlgriff, der bestenfalls noch Kopfschütteln auslöst“, sagte Schneider Handelsblatt Online. „Ganz unten heißt im Fall des Ex-Bundespräsidenten 200.000 Euro Ehrensold pro Jahr bis zum Lebensende, Chauffeur und Büro - ein Standard, der für den Normalbürger völlig außerhalb jeder Reichweite liegt.“

Er gestehe dem Ex-Präsidenten zwar zu, dass er in seinem Renommee „sehr tief gefallen“ sei, sagte Schneider weiter. „Doch hätte Herrn Wulff bei der Wahl seines Titels auffallen müssen, dass Menschen, die wirklich „ganz unten“ sind, darunter über sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, sich geradezu verhöhnt fühlen müssen.“ Für alle anderen sei dieser Titel „zumindest ein weiteres Indiz dafür, dass sich Teile der Politik immer weiter von der Lebensrealität der Bevölkerung entfernen“.

Auch in Wulffs Partei, der CDU, regt sich Unmut. „Von Christian Wulf hätte ich bei der Auswahl des Buchtitels etwas mehr Sensibilität für die Lebenssituation anderer Menschen erwartet“, sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, Handelsblatt Online. „Wir dürfen diejenigen Menschen, die wirklich ganz unten sind, nicht aus den Augen verlieren.“

Angesichts der vielen Zuwendungen, die Wulff nach seiner Amtsaufgabe zustehen, hält es Bäumler eine Debatte über eine Mindestsicherung für geboten. Der CDA-Vize forderte eine steuerfinanzierte Rente für Geringverdiener. Langzeitarbeitslose sollten zudem durch einen „sozialen Arbeitsmarkt“ wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Zuletzt betrugen die Ruhebezüge für Bundespräsidenten, der sogenannte Ehrensold, 199.000 Euro im Jahr - entsprechend dem Gehalt des amtierenden Bundespräsidenten. Grundlage ist ein Gesetz aus dem Jahr 1953. „Scheidet der Bundespräsident mit Ablauf seiner Amtszeit oder vorher aus politischen oder gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus, so erhält er einen Ehrensold in Höhe der Amtsbezüge mit Ausnahme der Aufwandsgelder“, heißt es darin.

Kommentare zu " Sozialverband kritisiert Ex-Bundespräsident: „Christian Wulff verhöhnt Hartz-IV-Bezieher“"

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  • @Rettungswahnsinn
    Wulf ist ein Zögling des System und völlig angepasst, in letzter Konsequenz tat er immer das was von ihm erwartet wurde. Im Nachhinein zu spekulieren seine geäußerte Kritik am Rettungswahn auf Kosten der Steuerzahler bzw. späterer Generationen, hätte – hätte Fahrradkette. Im Übrigen kann der Bundespräsident nur solange seine Unterschrift verweigern, bis das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, er selbst hat keine Machtbefugnisse, er ist einfach nicht wichtig genug für Verschwörungstheorien.

    Die Solidarität hob sich der feine Herr für den Islam auf, der seiner Meinung nach zu Deutschland gehört, - also eine Zecke mehr die in unserer Gesellschaft alternativlos und legal verankert wurde! Wobei es mittlerweile auch egal ist, was uns letztlich als Gemeinschaft zerstört. Ich habe nie behauptet, dass mir die DDR-pastorale und von der SED hofierte Alternative besser erscheint, so wie mir alles religiöse von jeder Religion gestohlen bleiben kann. Dieser Herr Pastor durfte sogar stundenlang allein im stillen Kämmerlein seine Stasi-Akte frisieren und das bis heute vom System-Mainstream kritiklos hingenommen. Sie alle sind erbärmliche Lügner und Betrüger, allen gebührt verdientermaßen tiefste Verachtung!
    Ändern würde sich nur etwas, wenn die Demokratie durch Referenden, verankert und zugesichert im Grundgesetz, gestärkt würde und korrupte Parlamentarier und Parteien auf allen Ebenen dadurch entmachtet würden. Nur Vertretern dieser Doktrin gebührt noch meine Achtung, alles andere ist nur asoziales Kroppzeug!!!

  • @wiebitte

    Ich glaube nicht, dass sich Christian Wulff für unantastbar oder gar anbetungswürdig hält. Haben Sie das Buch gelesen?

    Jedenfalls finde ich seine Reden wie z. B. seine Lindauer Rede oder seine Rede auf dem deutschen Bankentag klar, mutig und sachkundig. Es war zu befürchten, dass er den ESM-Vertrag nicht unterschreibt.

    Mein ausführlicher Kommentar zu diesem Thema vom Sommer 2012 als die Hetze gegen Herrn Wulff noch auf dem Höhepunkt war gilt noch immer.

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ex-bundespraesident-parteienstreit-ueber-hoeheren-ehrensold-fuer-wulff/7038936.html

    Er hätte mehr für die deutschen Steuerzahler getan als sein Nachfolger mit seiner Willkommenskultur und seiner Forderung nach noch mehr Solidarität für möglichst die ganze Welt. Mir geht dieses pastorale Geschwurbel oft ziemlich auf den Geist, weil es die Realität ausblendet.

    Vielleicht ist dies ja eher Ihre Welt.

  • Die Wahrheit ist: Wulff war gar nicht Wulff, sondern ein als Wulff verkleideter Walraff. Sein Ziel war es, in bester investigativer Tradition das Bundespräsidialamt von innen zu enttarnen. Scheint ja gut gelungen.

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