Spähaktion
Müntefering wirft türkischem Geheimdienst Denunziation vor

Am Mittwoch wurde bekannt das auch die Vorsitzende deutsch-türkischen Parlamentariergruppe, Michelle Müntefering, auf der Liste des türkischen Geheimdiensts steht. Nun macht sie dem Geheimdienst schwere Vorwürfe.
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BerlinDie SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering hat dem türkischen Geheimdienst MIT schwere Vorwürfe gemacht. „Es entsetzt mich jetzt zu sehen, mit welchen Methoden Menschen denunziert werden sollen“, sagte die Vorsitzende deutsch-türkischen Parlamentariergruppe am Donnerstag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ihr Name auf einer Liste mit mehr als 300 angeblichen Unterstützern des Predigers Fethullah Gülen steht, die der MIT dem Bundesnachrichtendienst übergeben hat.

Müntefering führt das Vorgehen des MIT unter anderem darauf zurück, dass sie scharfe Kritik an der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Türkei geübt habe. „Der Angriff auf mich trifft meines Erachtens allerdings nicht nur mich allein, sondern auch die Arbeit der Parlamentariergruppe insgesamt“, fügte die 36-jährige Abgeordnete hinzu.

Die Gülen-Bewegung wird von der türkischen Regierung für den gescheiterten Militärputsch im vergangenen Sommer verantwortlich gemacht. Die deutschen Sicherheitsbehörden sehen dafür bisher keine ausreichenden Belege.

Müntefering räumte in ihrem ersten Interview nach der Enthüllung der Liste Kontakte zur Gülen-Bewegung ein. Sie habe aber noch viel öfter mit Pro-Erdogan-Gruppen zu tun gehabt. „Keiner von beiden Gruppen stehe ich nahe, denn als deutsche Abgeordnete vertrete ich die Interessen unseres Landes im In- und Ausland“, sagte sie. Die Gülen-Bewegung wird in Deutschland nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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