Späte Reue
Ein „Mea culpa“ nutzt Sarrazin nicht mehr

In den vergangenen Tagen hat Ex-Bundesbankvorstand und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin mehrfach Bedauern zu erkennen gegeben. Doch der Standpunkt der Parteispitze bleibt derselbe: Sarrazin soll gehen.
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Zunächst stellte Sarrazin in der „Bild“ fest, dass sich jeder Mensch „so oder anders entwickeln kann“. Jeder solle so gefördert werden, „dass er sich entfalten kann“. Am Wochenende dann verteidigte Sarrazin sich in der „Frankfurter Allgemeinen“ unter der Überschrift „Die SPD kann nicht lesen“ und legte die für ihn als Mitglied der Aufsteigerpartei SPD unverrückbaren Prinzipien dar.

Die SPD-Spitze hat all das gelesen – und bleibt dabei: Sarrazin soll gehen. „Der Beschluss gilt“, hieß es gestern. Derzeit werde der Antrag, also die Klageschrift, an die Schiedskommission für das dann erst beginnende Ordnungsverfahren formuliert. Die Maschinerie rollt also und lässt sich auch nicht mehr durch ein „Mea culpa“ aufhalten.

In Sarrazins Landesverband Berlin ist die Rede von einer „Lose-lose-Situation“. Schließlich bleibt das Thema auf der Tagesordnung: Weil die Mitglieder so unterschiedlich auf die Ausschlusspläne reagiert haben, wird die SPD auf ihrem Parteitag am Sonntag extra eine Stunde vorher das Thema Integration diskutieren. Und seit Parteichef Sigmar Gabriel Ende August den Ausschluss ins Spiel brachte, fiel Sarrazins Name allein in der überregionalen Presse in mehr als 1 000 Artikeln.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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