„Spaßig wird das nicht“
Jürgen Peters ist am Ziel

Jürgen Peters hat es geschafft. Sein ausgeprägter Machtinstinkt und sein taktisches Geschick haben den 59- Jährigen an die Spitze der weltgrößten Industriegewerkschaft gebracht. Zwar erzielte er mit nur 66,1 % Zustimmung alles andere als ein Traumergebnis, aber angesichts seiner Rolle im verlorenen Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland und der Kritik an seiner Person war nicht mehr drin.

HB/dpa FRANKFURT. Mit dem höchsten Amt in der IG Metall krönt der frisch vermählte Peters seine mehr als 30-jährige Karriere in der Gewerkschaft. Bis zum Ende seiner Amtszeit 2007 wartet auf ihn und seinen Stellvertreter Berthold Huber eine Herkulesaufgabe: Nach den Grabenkämpfen der vergangenen Wochen müssen sie die geschwächte IG Metall zu neuer Stärke und Geschlossenheit führen. „Spaßig wird das nicht“, ahnt Peters.

Die Meinungen über den neuen Chef sind so gespalten wie die IG Metall selbst: Kritiker halten ihn für einen „Hardliner“ und „Betonkopf“, der eher polarisiert und schlecht zuhören kann. Anhänger loben ihn dagegen als Mann mit festen Überzeugungen, der mit kämpferischen Worten die „neoliberale Denke“ anprangert und für soziale Gerechtigkeit eintritt. Er selbst hofft von sich, ein angenehmer Typ zu sein.

Der Arbeitersohn wurde am 17. März 1944 im oberschlesischen Bolko geboren. Der Krieg verschlug die Familie nach Hannover, wo Peters in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Nach dem Besuch der Realschule begann er eine Ausbildung als Maschinenschlosser und trat schon als Lehrling in die IG Metall ein. Vier Jahre arbeitete er bei Hanomag und machte bald als Jugendsprecher der Gewerkschaft von sich reden.

Statt eines Ingenieurstudiums zog er eine Karriere in der Gewerkschaft vor, die er 1969 an der Bildungsstätte der IG Metall in Lohr begann. Von 1976 an arbeitete Peters in Düsseldorf im Zweigbüro der IG Metall. Dort erlebte er die Krisen der Stahlindustrie an Rhein, Ruhr und Saar hautnah mit. Seitdem hat die Beschäftigungssicherung für ihn einen besonders hohen Stellenwert.

1988 kehrte er nach Hannover zurück und wurde mit 43 Jahren Bezirksleiter in Niedersachsen. Dort festigte er seinen Ruf als pragmatischer Tarifpolitiker. Die Einführung der Vier-Tage-Woche bei VW zur Beschäftigungssicherung gehen genauso auf sein Konto wie Tarifverträge zur Altersteilzeit und der Rahmentarifvertrag zur Angleichung von Arbeitern und Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie (ERA).

Der Tarifkonflikt zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche bei den Metallern in Ostdeutschland wurde allerdings zur größten Niederlage der IG Metall in ihrer Geschichte. Doch so sehr es auch Kritik hagelte - stets hielt der für die Tarifpolitik zuständige Vize an seiner Kandidatur für den Vorsitz fest. Die von seinem Vorgänger Klaus Zwickel mitinszenierte Schlammschlacht hat Wunden geschlagen. „Ich habe nicht geahnt, wie groß seine Abneigung gegen mich ist“, behauptet Peters.

Dabei hatte Zwickel ihm offensichtlich nie verziehen, dass er 1998 seine Personalplanung durchkreuzt hatte. Seinerzeit hatte sich Peters dank einer soliden Machtbasis in Niedersachsen in einer Kampfabstimmung als Nachfolger von Vizechef Walter Riester durchgesetzt. Zwickel wollte eigentlich Hauptkassierer Bertin Eichler auf dem Posten sehen.

Mit dem Amt des Zweiten Vorsitzenden war Peters auf den Vorsitz abonniert, doch Zwickel wollte ihn übergehen und Huber auf den Chefsessel bringen. Dieser Versuch scheiterte im April 2003 im Vorstand, der Peters als Ersten Vorsitzenden nominierte. Im Machtpoker nach dem Führungsstreit hatte der Vize erneut die besseren Karten. Nachdem Zwickel entnervt das Handtuch warf, stand dem Aufstieg seines Stellvertreters nichts mehr im Weg.

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