SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger
Rebellin aus Gewissensgründen

Sie verabscheut Lügen, Glaubwürdigkeit ist ihr oberstes Gebot – und sie weigert sich mit den Linken zusammenzuarbeiten. Die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger hat Andrea Ypsilantis Pläne für eine rot-grüne Landesregierung in Hessen, die von der Linkspartei toleriert wird, eiskalt platzen lassen. Wer die Frau ist, die die Kapitulation der SPD-Spitzenkandidatin erzwungen hat.

DÜSSELDORF. Schon vor der Ankündigung ihrer Landeschefin, die Pläne für ihre Ministerpräsiidentenwahl mit Hilfe der Stimmen der Linkspartei platzen zu lassen, hatte die 49-jährige Justiziarin mit ihrem offen geäußerten Bedenken quasi über Nacht deutschlandweite Bekanntheit erlangt. Die Frau, die über sich selbst sagt, „am meisten verabscheue ich Lügen und Zyniker“, kann es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass die hessische SPD nun entgegen allen Versprechungen im Wahlkampf doch mit der Linken zusammenarbeiten will. Die Wirtschaftsjuristin hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder klar gemacht, dass Glaubwürdigkeit für sie oberstes Gebot ist.

Ein Blick auf die Vita der Darmstädter SPD-Politikerin zeigt: Sie ist zwar Landtagsneuling, aber keinesfalls eine politische Anfängerin. 1958 in Berlin geboren lebt die SPD-Rebellin seit 1992 in Darmstadt. Die kinderlose Bankkauffrau und Wirtschaftsjuristin arbeitete zuletzt als Justiziarin der Stadt- und Kreis-Sparkasse Darmstadt. Seit 1990 ist sie SPD-Mitglied, sieben Jahre später wurde sie Stadtverordnete in Darmstadt. Dort ist Metzger, die sich als selbstbewusst, fleißig, beharrlich und neugierig beschreibt, kulturpolitische Sprecherin und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Im Januar wurde sie erstmals in den hessischen Landtag gewählt: Sie siegte im Wahlkreis Darmstadt-Stadt II gegen Kultusministerin Karin Wolff (CDU).

Auch ihr familiäres Umfeld ist politisch geprägt. Die 49-Jährige ist die Schwiegertochter des früheren Darmstädter SPD-Oberbürgermeisters Günther Metzger. Er war in den 70er Jahren auch stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Metzger-Kreis“ – ein Vorläufer des heutigen konservativen „Seeheimer Kreises“. Der „Metzger-Kreis“ war gegründet worden, um den Einfluss der SPD-Linken in der Partei zurückzudrängen.

Ausschlaggebend für ihre Weigerung, so tat sie nach dem Treffen mit Ypsilanti kund, sind für sie die historischen Erfahrungen vieler Sozialdemokraten in der ehemaligen DDR: „Man darf das nicht vergessen, wie sehr Genossinnen und Genossen darunter gelitten haben.“ Die hessische SPD habe im Wahlkampf versprochen, nicht mit der Linken zusammenzuarbeiten: „Was man vor der Wahl verspricht, muss auch nach einer Wahl gehalten werden.“ SPD-Landesvorstand und Landtagsfraktion hatten am Dienstag grünes Licht für eine Tolerierung durch die Linke gegeben.

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