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SPD-Arbeitnehmer fordern Konsequenzen: Steinbrücks Absturz schreckt Genossen auf

exklusivSPD-Kanzlerkandidat Steinbrück will angesichts seines jüngsten Umfrageabsturzes nicht in Depressionen verfallen. Doch in seiner Partei rumort es gewaltig. Der linke Parteiflügel fordert Konsequenzen.

Der Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück. Quelle: dapd
Der Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück. Quelle: dapd

BerlinDer Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels AfA (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen), Klaus Barthel, hat angesichts des Umfrageeinbruchs für die SPD und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück indirekt eine Neuausrichtung der Wahlkampfstrategie der Bundespartei angekündigt. Die Stimmungslage auf Bundesebene sei für die SPD „unbefriedigend“, sagte Barthel Handelsblatt Online. „Deshalb werden wir uns nach der Niedersachsen-Wahl alle in Ruhe zusammensetzen, die Lage und ihre Ursachen analysieren und gemeinsame Konsequenzen ziehen müssen.“ Dabei gehe es aber nicht um Personaldebatten, sondern um Inhalte und Strategien für den Bundestagswahlkampf und die Landtagswahl in Bayern.

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„Die SPD muss alles daran setzen, Programm und Inhalt in den Vordergrund zu stellen, die Fehler der Bundesregierung und unsere guten sozialdemokratischen Alternativen“, sagte Barthel weiter: Konkret gehe es dabei um die Themen soziale Gerechtigkeit, neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt, Regulierung der Finanzmärkte, mehr Bildung für alle, ökologischer Umbau und eine neue Europapolitik.

Peer Steinbrück Der Umfaller

  • Peer Steinbrück: Der Umfaller
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Das Gebot der Stunde sei aber jetzt, die Landtagswahl in Niedersachen zu gewinnen, weil es um die Interessen der Menschen in Niedersachsen gehe, sagte Barthel. Rot-Grün habe gute Chancen, die amtierende Landesregierung abzulösen. „Gründe dafür gibt es genug.“

Steinbrück gab sich unbeeindruckt von den schlechten Werten für ihn und seine Partei. Jetzt in Depressionen zu verfallen, wäre „unprofessionell“, sagte Steinbrück in Berlin. Nach den jüngsten Pannen in seinem Wahlkampf überrasche ihn der Rückgang seiner Werte nicht. Er habe in Umfragen auch schon bessere Noten bekommen und wolle jetzt politische Themen besetzen, um zu zeigen, wofür er stehe und wohin er wolle.

Peer Steinbrück - seine Biographie

  • Gebürtiger Hamburger

    Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

  • Zwei Jahre Bundeswehr

    1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

  • Parteieintritt

    1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

  • Studium

    1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

  • Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

    1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

  • Zeit als Referent

    1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

  • Büroleiter in Düsseldorf

    1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

  • Staatssekretär in Kiel

    Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

  • Als Minister zurück in NRW

    1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

  • NRW-Ministerpräsident

    Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

  • Finanzminister

    Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

  • Vortragsredner

    Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

In dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL verliert die SPD 2 Punkte und erreicht nur noch 23 Prozent. Die Union erzielt dagegen mit 43 Prozent ihren besten Wert unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überhaupt. Wenn die Deutschen ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich nach dem Wahltrend nur noch 18 Prozent für Steinbrück entscheiden. Für Merkel würden 59 Prozent stimmen.

  • 18.01.2013, 12:32 UhrRealitaet

    Es gibt keinen einzigen neuen Punkt, warum man die SPD oder Grün wählen sollte. Die Arbeitnehmer und Rentner würden weiter ausgenommen. Der nicht umkehrbare rot-grüne Sozialverräterklüngel ändert sich nicht, weder mit Inhalt noch neuen und unverbrauchten Köpfen. Merkel braucht nicht einmal einen Wahlkampf. Leider.

  • 17.01.2013, 08:35 UhrHenry

    @ Harlemjump:

    „so ein Quatsch, eine drastische Beschneidung der Einkommen würde jede Motivation an verantwortungsvoller Arbeit abwürgen.“

    Sobald genug Geld gescheffelt ist, ist auch die Motivation hin.
    Ob 200.000,- Euro oder 150.000.- Euro im Jahr fließen kann nicht entscheidend sein. Es kommt darauf an ob ich Interesse an meiner Tätigkeit habe und zufrieden damit bin. Eine Tätigkeit die mir mehr als nur Geld bietet, darauf kommt es an.

    Die Fußballvereine sind das krasse schlechte Beispiel überhaupt. Hier werden für Spieler zig Millionen ausgegeben, was völlig überzogen ist. Das gesamte Niveau gehört drastisch gesenkt. Auch in dem Bereich bezahlen die Fans (Fanartikel und Eintrittskarten) und alle Bundesbürger (Rundfunk und Fernsehgebühren) den Preis. Was soll das?

    Die 50.000,- Euro weniger (in dem Beispiel) würden das Wirtschaftswachstum erheblich stärken. Denn es geht in der Summe um viele Milliarden die unter das Volk kommen müssen. So dass die Kaufkraft in der Breite gestärkt ist.

    Jeder soll so viel erhalten wie er will und was bezahlt wird. Aber, wir sind an einem Punkt angelangt, wo das so nicht mehr weitergehen kann. Korrekturen sind von höchsten Nöten.

    Die Einstellung riesige Gehälter zu kassieren muss sich ändern, sonst erleben wir ein Waterloo. Dann ist es auch vorbei mit den 150.000,- Euro im Jahr.

  • 17.01.2013, 06:14 Uhrtxer111

    Die Unfähigkeit Steinbrücks im jetzigen "Wahlkampf" steht stellvertretend für die Qualität der gesamten politischen Klasse im Jahr 2013. Steinbrück gelingt es nicht (und gelang es noch nie) beim Bürger anzukommen. Er ist unfähig in diesem Wahlkampf auch nur ein Thema zu besetzen, mit welchem er den gemeinen Wähler abholen könnte. Wenn er es dann einmal versucht (wie mit dem Thema Bankenregulierung), so nimmt es ihm keiner ab, weil er als Banken-Spezi beim Wähler keinerlei Glaubwürdigkeit besitzt. An seiner Farb- und Profillosigkeit ändern auch provokative Sprüche nichts, die vom Wähler eher als peinlich oder unverschämt betrachtet werden. Banken-Peer persifliert sich inzwischen schon selbst.

    Bundes-Angie ist natürlich genauso profillos, konzeptlos und themenlos in diesem Wahlkampf. Zumindest kann sie sich auf die Ausrutscher von Steinbrück verlassen was dann zu "sagenhaften" Umfrage-Werten der Union führt. Wenn die zweifelhaften Zahl von 43% Zustimmung des Wählers zur Politik der Union auch nur einingermaßen zutreffend ist, so fragt man sich weshalb. An inhaltlichen Unterschieden der Parteiprogramme oder dem Profil der Wahl-Kandidaten kann dies nicht liegen.

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