SPD bekommt Herausforderer nicht zu packen
"Wo ist Rüttgers?"

Die NRW-CDU verzichtet angesichts der schlechteren Umfragewerte ihres Spitzenkandidaten Rüttgers im Vergleich zu SPD-Kontrahent Steinbrück auf einen personalisierten Wahlkampf. Kein Wunder, dass die Sozialdemokraten auf die Fernsehduelle setzen.

HB DÜSSELDORF. "Wo ist Jürgen Rüttgers?". Edgar Moron, Fraktionschef der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, war sichtlich genervt. "Rüttgers schweigt und taucht wieder einmal ab", giftete Moron anlässlich der letzten Sitzung des Parlaments vor der Landtagswahl am 22. Mai. Denn CDU-Spitzenkandidat Rüttgers war der parlamentarischen Auseinandersetzung mit Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) ausgewichen.

Morons Ärger beschreibt das Dilemma der Sozialdemokraten im Landtagswahlkampf - sie bekommen Rüttgers nicht zu packen. Das Duell Steinbrück - Rüttgers, wie es die SPD angesichts der höheren Popularitätswerte des Regierungschefs konzipiert hat, ist bislang ausgeblieben, weil die CDU nicht mitmacht. "Die NRW-CDU versteckt ihren Spitzenkandidaten", klagt nicht nur Moron schon fast verzweifelt.

Die CDU sieht dies naturgemäß anders. Die Wähler seien die "Er-oder-ich-Duelle" leid, meint CDU-Generalsekretär Hans-Joachim Reck. Sie wollten Sachauseinandersetzungen. Dies habe auch die Landtagswahl in Schleswig-Holstein gezeigt, wo die SPD vergeblich auf die Popularität von Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis gesetzt habe.

Im Straßenbild ist Rüttgers bislang wenig präsent. Während die SPD Amtsinhaber Steinbrück bereits seit Anfang April auf Großflächen plakatiert, sind von Rüttgers nur kleinere Porträtaufnahmen zu sehen. Erst in den letzten beiden Wahlkampfwochen will auch die CDU ihren Spitzenkandidaten auf ihre 2000 Großflächenplakate rücken.

Auch inhaltlich hat Rüttgers der SPD bislang nicht die gewünschten Angriffsflächen geboten. Viele Positionen im CDU-Wahlprogramm, wie die Halbierung der Steinkohlesubventionen oder das Ja zu Studiengebühren, sind seit langem bekannt und sorgen nicht für große Aufregung. In der von SPD-Chef Franz Müntefering ausgelösten Kapitalismus-Debatte hat sich Rüttgers weitgehend bedeckt gehalten. "Ich stehe für soziale Partnerschaft und gegen Klassenkampf", lautet seine Standard-Aussage zu diesem Thema.

Vor zwei Wochen schienen sich die Hoffnungen der SPD auf einen Ausrutscher von Rüttgers, wie er ihm im Wahlkampf vor fünf Jahren mit seiner umstrittenen "Kinder-statt-Inder"-Äußerung unterlaufen war, zu erfüllen. Mit unbedachten Anmerkungen zur angeblichen Überlegenheit des christlichen Menschenbildes löste Rüttgers einen Sturm der Entrüstung aus. Doch anders als im Wahlkampf 2000, als er trotzig an seiner Position festhielt, konnte er diesmal die Debatte durch Klarstellungen schnell wieder einfangen.

Der Blick auf die Meinungsumfragen zeigt Rüttgers, dass er mit seiner Wahlkampfstrategie bislang nicht falsch liegt. Die Kapitalismusdebatte hat der SPD bei der Sonntagsfrage nicht genutzt. Das CDU-Hoch ist stabil, wie schon zu Beginn der heißen Wahlkampfphase liegt die Union in den Umfragen zehn Prozentpunkte vor der SPD.

Die Gelegenheit zum Duell mit Rüttgers bekommt Steinbrück am heutigen Donnerstag im Fernsehen. Der Privatsender RTL überträgt die erste von zwei Fernsehdebatten zwischen den beiden Spitzenkandidaten. Am 17. Mai folgen ARD und ZDF mit dem zweiten bundesweit übertragenen TV-Duell der beiden. Für Steinbrück, der auf die Mobilisierung der SPD-Anhänger in den letzten beiden Wahlkampfwochen setzt, vielleicht die entscheidende Chance einen Stimmungsumschwung zu schaffen.

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