SPD-Chef Beck
Entzaubert in Bergzabern

Kurt Beck muss sich in diesen Tagen eine Menge gefallen lassen - selbst Vergleiche mit seinem glücklosen Landsmann Rudolf Scharping. Was der SPD-Vorsitzende ändern muss, um seine Popularität und seinen Stand in der Partei und in der Koalition zu verbessern.

BERLIN. Den Osterurlaub hatte sich Kurt Beck anders vorgestellt. Ein paar Tage ausspannen. Mit der Familie. Im Pfälzer Frühling. Doch noch ehe im heimatlichen Steinfeld morgens die Sonne aufgeht, kippt der Zeitungsbote dort seit Tagen Hiobsbotschaften vor die Tür. Der SPD-Chef führe die Partei nicht, schreiben die Gazetten. Ihm fehlten „Rhetorik“ und „Intellekt“. Er gehe „unernst“ oder „sprunghaft“ mit Themen um und ähnele seinem unglücklichen Landsmann Rudolf Scharping. Am Mittwoch meldete der „Stern“, nur 19 Prozent der Deutschen wünschten sich Beck als Kanzler. Für Amtsinhaberin Angela Merkel votieren 48 Prozent.

Von Glückwünschen zum Einjährigen an der SPD-Spitze keine Spur. Dabei hatte der 58-Jährige noch vor zwei Wochen beteuert, die Aufgabe mache ihm richtig Spaß. Seine Arbeit als Ministerpräsident habe „ein zusätzliches Spannungsfeld“ bekommen: „Die Leute sagen: 'Gestern habe ich Sie im Fernsehen gesehen, und heute sind Sie schon in Bergzabern.’“ Das muss inzwischen kein Kompliment mehr sein. Kein Wunder, dass der Landesvater mit der Stimmung hadert. „Beck ist angekratzt“, heißt es im Willy-Brandt-Haus.

Nach der Osterpause muss der SPD-Chef auf dem Berliner Pflaster wieder in die Offensive gelangen. Schon am Montag dürften die aktuellen Umfragewerte das Parteipräsidium beschäftigen. Abends in der Koalitionsrunde muss Beck die Augenhöhe mit Merkel verteidigen. Wichtiger aber sei eine strategische Entscheidung, meint ein Regierungsvertreter: „Beck muss klären, wie sich die SPD in der großen Koalition positioniert.“

Bislang wirkten die thematischen Aufschläge des Parteichefs eher erratisch. Mal päppelte er verbal die Unterschicht, mal die Leistungsträger. Ein Vorstoß zur Mitarbeiterbeteiligung blieb folgenlos. Und den „Bonus für Arbeit“ brachte Beck nach der SPD-Klausur in Bremen selbst mit dem „Sozialen Arbeitsmarkt“ durcheinander. „Er stößt viel an, aber dann kommt zu wenig“, klagt ein Mitglied des Parteivorstands, das Beck durchaus wohlgesinnt ist.

Mit der kategorischen Ablehnung des US-Raketenschirms und dem Gesprächsangebot für „gemäßigte Taliban“ versuchte sich Beck zuletzt als Außenpolitiker zu profilieren. „In der Sache stehe ich dahinter, aber trotzdem kann man fragen, ob das klug war“, sagt ein Parteilinker. „Eine Profilierung gegen Merkel als EU-Ratspräsidentin muss zum Rohrkrepierer werden“, urteilt ein Regierungsmitglied härter.

Tatsächlich musste Beck seine Raketen-Äußerung abschwächen, um nicht in Clinch mit SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu geraten. Für die Rechtfertigung seiner Gesprächsofferte benötigte er eine halbe Seite in der „Frankfurter Rundschau“: Es gehe darum, „unzufriedene Männer“ aus den Taliban herauszulösen: Natürlich seien Terroristen „keine Verhandlungspartner“.

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