SPD-Chef bekräftigt Kritik an Auswüchsen des Kapitalismus
Opposition wirft Müntefering Wirtschaftsfeindlichkeit vor

Der Vorsitzende der SPD, Franz Müntefering, hat in einer Aktuellen Stunde des Bundestags seine Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus bekräftigt. Die Opposition warf Müntefering daraufhin Wirtschaftsfeindlichkeit vor.

HB BERLIN. Die weitaus meisten Unternehmen in Deutschland orientierten sich weiter an der sozialen Marktwirtschaft, sagte Müntefering. Es gebe aber auch andere Firmen, die sich nicht daran hielten. „Die Debatte darüber ist fällig“, betonte er.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle warf dem SPD-Chef eine Rückkehr zum Klassenkampf vor. Investoren würden durch solche Beschimpfungen nur verschreckt. Die Unions-Wirtschaftspolitikerin Dagmar Wöhrl sprach von einem „pauschalen ideologischen Anschlag“ des SPD-Chefs auf die Wirtschaft. Die Ursache für die derzeitigen Probleme sei „nicht Markt- sondern Staatsversagen“. Der Grünen- Abgeordnete Werner Schulz nannte die von Müntefering angestoßene Diskussion „überfällig“.

Franz Münteferings Kritik findet derweil bei den Hamburger Sozialdemokraten „große Unterstützung“. Das sagte SPD-Landeschef Mathias Petersen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Eine Diskussion über die Auswüchse des Kapitalismus sei dringend notwendig. „Es geht nicht um eine generelle Unternehmensschelte“, betonte Petersen. Die Kritik richte sich vielmehr gegen diejenigen - und dabei vor allem gegen die Großunternehmen -, „die Menschen ohne Not auf die Straße setzen, bloß um ihre Rendite zu erhöhen“.

Dass die Umsetzung von Unternehmenswünschen nicht unbedingt zu mehr Arbeitsplätzen führe, sei in den vergangenen Jahren mehr als deutlich geworden. „Da gibt es großen Diskussions- und Handlungsbedarf“, sagte der Hamburger SPD-Chef. Zu dem indirekten Boykott-Aufruf von SPD-Vize Ute Vogt gegen Firmen, „die im großen Stil Menschen rausschmeißen“, sagte Petersen: „Ich würde das ins Positive wenden. Die Menschen sollten durchaus bewusster konsumieren und einkaufen - und das bei Firmen, die in Deutschland produzieren und damit Arbeitsplätze erhalten oder schaffen.“

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