SPD-Chef fordert Staatseingriff
Hochtief erhält politische Hilfe

Lange haben sich die Verteidiger über die maue Unterstützung der Politik im Kampf gegen ACS beschwert. Nun nutzt der SPD-Chef die Gunst der Stunde. Die FDP lehnt jede politische Einmischung aber nach wie vor strikt ab.
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ESSEN. Beifall brandet auf, als Sigmar Gabriel ans Rednerpult tritt. Mehrere hundert Mitarbeiter von Hochtief drängeln sich in der Firmenzentrale des Essener Baukonzerns in der Alfredstraße. Und sie erwarten vom SPD-Chef tatkräftige Unterstützung in Hochtiefs Abwehrkampf gegen den spanischen Rivalen ACS.

Das zeigen die großen, weißen Plakate an den Geländern. "11 000 Wähler brauchen Ihre Hilfe", "Herr Gabriel, kämpfen Sie für uns!" oder "Einmischen erwünscht" sind unmissverständliche Forderungen. Schließlich ist der SPD-Chef der erste prominente Bundespolitiker, der öffentlich Flagge zeigt. Die Bundesregierung, meinen viele, lasse Hochtief im Stich.

"Ich bin überwältigt von dem, was ich hier erlebe", sagt Gabriel, "die vielen Menschen, die um ihre Jobs und die Zukunft ihrer Familie bangen". Was hier passiere, sei volkswirtschaftlicher Unsinn - dass sich ein schlechtes Unternehmen auf Kosten eines gesunden saniere.

Das kommt an bei den Zuhörern, unter denen nicht die mit Helm und Arbeitsschuhen, sondern die im Businesslook eindeutig in der Mehrzahl sind. Vor allem die Mitarbeiter aus der Holding ahnen, dass Hochtiefs Chancen, die eigene Unabhängigkeit zu behalten, schwinden.

Denn am Donnerstag hat der ungeliebte Großaktionär ACS das offizielle Übernahmeangebot bei der Finanzaufsicht Bafin vorgelegt. Spätestens Anfang November wird die Behörde die Unterlagen geprüft haben, dann beginnt die Frist zur Annahme des Angebots. Die Offerte ist zwar so unattraktiv, dass wahrscheinlich kaum ein Hochtief-Aktionär darauf einsteigen wird. Im Tausch gegen acht Hochtief-Papiere bietet ACS fünf Anteilsscheine des eigenen Unternehmens an. Bei den aktuellen Kursen beider Konzerne würden die Hochtief-Aktionäre rund fünf Prozent Verlust machen.

Aufruf zu Geschlossenheit

Aber die mickrige Offerte der Spanier ist kühl kalkuliert. Denn nach Ablauf der Übernahmefrist kann der hochverschuldete ACS-Konzern weitere Hochtief-Aktien in aller Ruhe über die Börse zukaufen. Die Spanier profitieren dabei von einer Lücke im deutschen Übernahmerecht. Im Unterschied zu anderen europäischen Staaten muss ein Angreifer hierzulande nach Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile kein weiteres Angebot an alle Aktionäre vorlegen, um die Mehrheit zu bekommen.

Finanzexperten gehen deshalb davon aus, dass ACS Hochtief früher oder später kontrolliert. Dann hätten die Spanier freie Hand: Sie könnten eigene Vertreter für die Kapitalseite im Aufsichtsrat berufen, den Hochtief-Vorstand entlassen und damit beginnen, die Tochter auszuplündern - auch wenn sie noch das Gegenteil behaupten.

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  • naja, die SPD will unbedingt SED sein.. und es wird ihr gelingen.

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