SPD-Chef Müntefering erleidet bei Kundgebung Schwächeanfall
Wahlkampf-Stress setzt Politikern zu

Unmittelbar nach der für den heutigen Donnerstag angekündigten Neuwahl-Entscheidung der Karlsruher Verfassungsrichter wollen die Parteien in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes starten. Die Politiker stehen derart unter Anspannung, dass ihre Gesundheit leidet.

BERLIN. In den verbleibenden drei Wochen bis zur Wahl am 18. September werden alleine Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Spitzenkandidatin Angela Merkel (CDU) jeweils mehr als 20 Großkundgebungen zwischen Stralsund und Friedrichshafen absolvieren. Hinzu kommen zahllose Fernsehauftritte, Betriebsbesichtigungen oder andere Parteitermine.

Der enorme Stress mit dauerndem Ortswechsel und wenig Schlaf geht an den Politikern nicht spurlos vorüber: Gestern Nachmittag gegen 17.45 Uhr erlitt SPD-Chef Franz Müntefering bei einer Wahlkampfrede im saarländischen Homburg einen Schwächeanfall. Der 65-Jährige unterbrach laut Augenzeugen nach etwa 20 Minuten seinen kämpferischen Vortrag und sagte: "Es tut mir leid, ich muss mal zur Seite treten." Dann sei er zusammengeklappt. Müntefering wurde sofort von Sanitätern versorgt und zu weiteren Untersuchungen mit dem Notarztwagen in die Klinik gebracht, wo er über Nacht bleiben sollte.

"Es geht ihm gut", sagte abends eine Parteisprecherin. Müntefering habe offenbar zu wenig gegessen und getrunken. Dann habe sein Kreislauf auf der von Scheinwerfern aufgeheizten Bühne kurz versagt. Im Willy-Brandt-Haus wurden Assoziationen an einen Schwächeanfall von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) vor einem Jahr, der sich später als Schlaganfall entpuppte, zurückgewiesen. "Hängen Sie den Vorfall tiefer! Das hat nichts damit zu tun", hieß es. Müntefering sagte zunächst seine Termine für den heutigen Donnerstag nicht ab. Am Abend soll er eigentlich mit den Spitzenkandidaten der übrigen Parteien in der "Berliner Runde" des ZDF diskutieren.

Ein Ausfall des SPD-Chefs im Wahlkampf würde die Partei hart treffen. In Umfragen liegt die SPD mit maximal 30 Prozent weiter deutlich hinter der Union, auf die 42 oder 43 Prozent der Stimmen entfallen. Vor diesem Hintergrund hat die Partei ihren Wahlkampfetat von 25 Mill. Euro um zehn Prozent aufgestockt. "Wir legen jetzt noch ein paar Schippen drauf", sagte SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel der "Tageszeitung": "Wir können das Ding noch drehen."

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