SPD-Chef Platzeck
Die Bewährungsprobe

Von SPD-Chef Matthias Platzeck war in den vergangenen Wochen wenig zu hören und zu sehen. Doch am Wahlsonntag tritt er hervor. Er jubelt ob des Triumphs der großen Koalition bei den Landtagswahlen, gleichwohl seine eigene Partei einiges einstecken musste.

BERLIN. Da ist er ja! In den vergangenen Wochen hatte sich Platzeck auf der politischen Bühne rar gemacht. Ein unglücklicher Auftritt an Karneval zur Vorlage der 100-Tage-Regierungsbilanz. Ein paar Wahlkampfkundgebungen in der Provinz weit weg von Berlin. Und zuletzt ein Rüffel für Finanzminister Peer Steinbrück wegen dessen Kindergeld-Vorschlag: "Das steht nicht zu Debatte", hatte der SPD-Chef behauptet, ohne damit die Diskussion in den eigenen Reihen beenden zu können.

Doch an diesem Abend drängt der lange vermisste Parteivorsitzende in die Offensive. Nur 34 Minuten nach Schließung der Wahllokale tritt er im Willy-Brandt-Haus vor die Menge. Kurt Beck hat gute Chancen auf die Alleinherrschaft in Rheinland-Pfalz. Aber sicher scheint das zu dieser Stunde ebenso wenig wie eine mögliche Regierungsbeteiligung der SPD in Sachsen-Anhalt. Fest steht nur das Debakel von Ute Vogt in Baden-Württemberg.

Im Adenauer-Haus schickt die CDU-Spitze angesichts dieser Unwägbarkeiten erst einmal ihren Generalsekretär Ronald Pofalla vor die Kameras. Doch bei der SPD ergreift der Parteichef frühzeitig persönlich das Wort. Es sei schön, sagt Platzeck, dass sich die SPD "auch wieder über Wahlsiege freuen darf". Die kurze Rede gleicht einer Berg-und-Tal-Fahrt: höchste Anerkennung für Becks "hervorragende Regierungsarbeit", Enttäuschung über das "bittere" Ergebnis im Ländle und dann wieder Lob für den "sehr ehrlichen" Wahlkampf von Jens Bullerjahn in Sachsen-Anhalt. Vorn neben dem Podium haben sich Generalsekretär Hubertus Heil und Fraktionschef Peter Struck aufgebaut. Heil klatscht mit der professionellen Begeisterung des Politanimateurs. Struck applaudiert mit gespreizten Händen.

Echten Jubel im Saal erntet Platzeck erst, als er resümiert, dass "das Projekt Westerweiterung der PDS auch mit Oskar Lafontaine gründlich gescheitert" sei. Da zeigt sich Erleichterung auf den Gesichtern der Genossen: Mag das Ergebnis auch durchwachsen sein - zumindest diese Gefahr scheint gebannt. Noch mal davongekommen!

Die Bundespolitik erwähnt Platzeck mit keinem Wort. Als Erklärung für den Einbruch in Stuttgart und das magere Abschneiden in Magdeburg verweist er nur allgemein auf Mobilisierungsprobleme. So hört man es ähnlich auch von den Strippenziehern, die sich unter das Publikum gemischt haben. Leise erlaubt sich zudem der eine oder andere den Hinweis, auch die persönliche Performance von Vogt sei zuletzt nicht eben glücklich gewesen.

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