0 Bewertungen
08.05.2008 
Finanzpolitisches Papier

SPD fordert sinkende Sozialabgaben

von Donata Riedel

Die SPD will mittelfristig das Gesundheitssystem stärker aus Steuern finanzieren, um niedrige Einkommen von Sozialabgaben entlasten zu können. Ein ensprechendes finanzpolitisches Papier beschreibt die Grundsätze, aus denen bis zum 31. Mai eine „erste Orientierung für ein Steuer- und Abgabenkonzept für die nächste Legislaturperiode“ entstehen soll.

BERLIN. Er halte es „grundsätzlich für richtig“, durch höhere Steuerzuschüsse an die Krankenkassen die Sozialbeiträge zu senken, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. „Für niedrigere und mittlere Einkommensbezieher sind die Sozialabgaben heute ein größeres Problem als die Steuerbelastung“, heißt es auch in einem finanzpolitischen Papier der SPD, das dem Handelsblatt vorliegt. Das Papier aus dem Hause des Parteivize und Finanzministers Peer Steinbrück beschreibt die Grundsätze, aus denen bis zum Zukunftskonvent am 31. Mai in Nürnberg eine „erste Orientierung für ein Steuer- und Abgabenkonzept für die nächste Legislaturperiode“ entstehen soll. Nach den Irritationen, die sein steuerpolitisches Interview am Montag in der SPD ausgelöst hatte, stellte sich Parteichef Kurt Beck vor der SPD-Bundestagsfraktion ausdrücklich hinter die Leitsätze. „Wir denken, dass er jetzt dabei bleibt“, hieß es am Mittwoch im Finanzministerium.

Steinbrück hatte seine Position am Montag erneut auf einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrats erläutert. Danach hat für ihn die Haushaltskonsolidierung erste Priorität, dicht gefolgt vom Ziel „leistungsfähiger Staat“: Für Ausgaben in Bildung, Familien und Forschung will er ausreichend Geld in den Staatskassen haben. Erst wenn der Bundesetat 2011 ausgeglichen ist, will Steinbrück mögliche neue Spielräume für „die Entlastung der Leistungsträger“ nutzen. Zu diesen zählt er Krankenschwestern und Facharbeiter. Da Durchschnittsverdiener deutlich weniger Steuern als Sozialabgaben zahlen (siehe „Hohe Sozialabgaben“), will er zuerst die Abgaben senken.

Das finanzpolitische Papier enthält zusätzlich den Auftrag zu prüfen, wie „Reiche und Vermögende stärker als bisher solidarisch an der Finanzierung der Zukunftsaufgaben beteiligt werden können“. Im SPD-Programm steht bereits die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft erinnerte daran, dass die Reichensteuer mit einem Satz von 45 Prozent bei 500 000 Euro für Paare anfange. „Das kann man weiter unten anfangen lassen. Da ist noch einiges zu holen“, sagte sie dem Sender N-TV.

Steinbrücks Überlegungen finden in der SPD breite Zustimmung. „Es ist eine gute linke Idee, einkommensschwache Bürger bei den Sozialabgaben zu entlasten und die Sozialsysteme stärker aus Steuern zu finanzieren“, sagte Karl Lauterbach. In den kommenden zwei Wochen sollen Finanzminister Ingolf Deubel aus dem von Beck regierten Rheinland-Pfalz und Steinbrücks Steuerstaatssekretär Axel Nawrath Leitlinien für den Zukunftskongress ausarbeiten und mit den Finanzpolitikern um Fraktionsvize Joachim Poß abstimmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Entlastungsversprechen der CSU

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar