SPD-Fraktionschef Müntefering ist dagegen
CSU-Politiker fordern längere Arbeitszeiten

Die CSU macht sich für längere Arbeitszeiten stark.

FRANKFURT. Der bayerische Staatskanzleichef Erwin Huber sagte in einem Zeitungsinterview vom Freitag, dass der Lebensstandard in den nächsten zehn Jahren nicht zu halten sein werde, „wenn wir nicht mehr leisten“. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer plädierte sogar für die 48-Stunden-Woche.

Huber sagte der „Passauer Neuen Presse“, Deutschland sei unter gewaltigem Anpassungsdruck. „Wir sind auf einer Spirale nach unten“, fügte er hinzu. Wenn sich Deutschland weiterhin die niedrigsten Arbeitszeiten der Welt leiste, werde der Lebensstandard sinken. Er appellierte an die Tarifpartner, die Wochenarbeitszeit zu verlängern. Die Politik könne die Arbeitszeit zwar nicht regeln, sagte Huber, habe aber eine Führungsaufgabe. Bayern werde deshalb im öffentlichen Dienst „die Konsequenzen ziehen“.

Der CSU-Wirtschaftsexperte Johannes Singhammer sagte der „Bild“-Zeitung vom Freitag: „Bei der Post können die Mitarbeiter schon bis zu 48 Stunden arbeiten. Das ist das Modell der Zukunft!“ Die aktuelle Diskussion über längere Arbeitszeiten sei überfällig. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, Rainer Wend (SPD), bekräftigte seine Forderung nach flexiblen Tarifverträgen mit Arbeitszeiten von bis zu 45 Stunden pro Woche. „Betriebe müssen im Rahmen von Tarifverträgen mehr Möglichkeiten haben, bei guter Auftragslage die Arbeitszeiten auch auszuweiten“, sagte er der Zeitung.

SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hat sich gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit gewandt und damit die Position der Gewerkschaften gestützt. CDU-Chefin Angela Merkel sagte indes, sie halte eine Arbeitszeitverlängerung um eine oder zwei Stunden für denkbar, um Investitionen zu ermöglichen und die Verlagerung von Arbeit ins Ausland zu verhindern. Spitzenvertreter von CDU, FDP und Wirtschaftsverbänden sowie Teile der SPD haben sich in den vergangenen Tagen für längere Arbeitszeiten ausgesprochen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dagegen wollen immer mehr Firmen ihre Beschäftigten kürzer arbeiten lassen.

Konjunkturforscher und Arbeitsmarktexperten warnen vor allzu pauschalen Lösungsvorschlägen. Kürzere Arbeitszeiten seien zwar das richtige Mittel für Betriebe, um in der Konjunkturschwäche die Kosten zu senken. Generell könne man damit aber nicht der hohen Arbeitslosigkeit Herr werden. Auch längere Arbeitszeiten seien kein Allheilmittel. Erst wenn die Nachfrage im Inland angesprungen sei und die Konjunktur weltweit an Fahrt gewinne, könne auch über längere Arbeitszeiten nachgedacht werden. Dafür seien zudem die Währungsrelationen zwischen Euro und Dollar und die Entwicklung des Ölpreises von Bedeutung.

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