SPD-Fraktionschef
Steinmeier hält Plagiatsvorwürfe für absurd

Die Universität Gießen prüft die Doktorarbeit von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Der wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe eines Münsteraner Hochschullehrers, wonach Quellen verschleiert worden seien.
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BerlinDie Universität Gießen geht Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nach. Es sei ein Schreiben eingegangen, in dem die Überprüfung von Steinmeiers Doktorarbeit angeregt werde, teilte die mittelhessische Hochschule am Sonntag mit. Voraussichtlich an diesem Montag (30.9.) werde entschieden, wie man weiter vorgehen wolle

Zuvor hatte das Magazin „Focus“ unter Berufung auf den Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz gemeldet, Steinmeiers 1991 in Gießen eingereichte Promotion weise „umfangreiche Plagiatsindizien“ auf. Steinmeier sprach auf „Focus“-Anfrage von einem „absurden Vorwurf“. „Sollte sich die Uni Gießen zu einer Überprüfung entschließen, sehe ich dem Ergebnis mit großer Gelassenheit entgegen.“

Professor Kamenz hatte Steinmeiers Arbeit „Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“ per Computersoftware mit 50 in der Arbeit genannten Quellen verglichen, wie er am Sonntag der dpa sagte. An mehr als 400 Stellen seien problematische Übereinstimmungen registriert worden. „Wenn man 400-mal die Anführungszeichen vergisst, kann das kein Versehen sein“, urteilte Kamenz.

Der Professor rechnet mit weiteren Plagiatsfällen unter Politikern. Er habe mit Kollegen die Dissertationen aller Promovierten im letzten Bundestag unter die Lupe genommen: „Da sind es ungefähr, wenn ich das richtig sehe, 120 Doktoren. Und da ja die Statistik sagt, dass mindestens zehn Prozent plagiiert haben, werden in den nächsten Wochen und Monaten etwa zehn Politiker noch damit leben müssen, dass sie nachweislich plagiiert haben.“

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  • "Aber meiner Meinung nach sollten Dr. Titel nur Ärzte tragen."
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    Gerade die Doktor-Arbeiten von Ärzten zeichnen sich keineswegs regelmäßig durch originäre Forschung aus, sondern werden oft genug in einem halben Jahr runtergeschrieben (irgendwelcher Statistikkram u.ä.).

    Als Dr. rer. nat. empfinde ich das

    "Alle DR.Titel vor Einführung des Internets sind überprüfungswürdig."
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    als Beleidigung meiner Arbeit. Dissertationen im naturwissenschaftlichen Bereich sind gewöhnlich reell, eben weil sie auf originärer Forschung beruhen und schon die Veröffentlichungen zur Sicherung der Priorität vorbeugen. Die werden nämlich scharf geprüft. Abschreiben ist faktisch unmöglich resp. völlig unsinnig. Hier geht es nicht um Argumente, Gedanken, Zusammenfassungen o.ä., hier geht es um Meßergebnisse, Zahlen und Fakten, die nachprüfbar und verläßlich reproduzierbar sein müssen. Dazu kommt noch, daß man als Naturwissenschaftler, speziell als Doktorandenbetreuer die einschlägigen Arbeiten der "Konkurrenz" kennt, was bei "Schwurbel"fächern keineswegs der Fall ist. Wie gesagt, es geht, salopp ausgedrückt, immer darum, irgendrin Ergebnis als erster zu haben. Copy and Paste ist völlig widersinnig, ja sogar kontraproduktiv.

  • Alle DR.Titel vor Einführung des Internets sind überprüfungswürdig. Aber meiner Meinung nach sollten Dr. Titel nur Ärzte tragen. Mit Steinmeier wird es wie mit allen anderen gehen, nur ein Rücktritt wird es nicht geben Rücktritt von was?

  • "Das ging aber schnell, daß man die Links nicht mehr öffnen kann. Oder waren diese von ganz was anderem, bereits geschlossenem?"
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    Der erste Link geht einwandfrei. Die Dissertation von Frau Dr. Merkel habe ich gelesen. Ein knochentrockener Stoff, bei dem es (zumindest mir) schwer fällt, nicht einzuschlafen, theoretische Chemie eben (Reaktionskinetik gehört in den Bereich der Chemie, nicht der Physik), wenig interessant selbst für die meisten, praxisorientierten Chemiker.
    Wer sich das unbedingt antun will, bitte sehr (nur für studierte Chemiker verständlich, die mit Reaktionskinetik vertraut sind!):
    http://www.partikelchen.de/downloads/am-diss.pdf
    Wer ein wenig sucht, findet diese Dissertation jederzeit im Web. Soviel zu den Verschwörungstheorien, die um Frau Dr. Merkels Arbeit herumschwirren. Mancher hört eben auch da die Flöhe husten, wo gar keine sind.

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