SPD
Frank-Walter Steinmeier – im ersten Gang

51 Tage bleiben Frank-Walter Steinmeier, um das Schlimmste für die SPD zu verhüten. Doch seine Reise durchs Land zeigt, dass der Kandidat beim Wahlkämpfen viel zu langsam vorankommt.

WUNSTORF. Der Mann, der keine Zeit mehr zu verlieren hat, kommt 20 Minuten zu spät. Die Limousine prescht ins Gewerbegebiet und hält. Aus dem Fonds springt Frank-Walter Steinmeier, knöpft das Sakko zu, streicht sich über sein weißes Haar und sucht die Kameras. "Morgen! Morgen! Morgen!" ruft er und lächelt. "Heute geht's um Arbeit", sagt er in die Mikrofone, ohne die Frage abzuwarten. "Dazu habe ich einen Plan vorgelegt." Er wolle sich nicht mit der hohen Arbeitslosigkeit abfinden. Und dass hier bitte niemand sage, das alles sei Fantasialand.

Des Kandidaten Sommerreise, Tag drei, Wunstorf bei Hannover. Hier in der Nähe wohnte er früher mal. Hier baut die Firma EcoCraft Kleintransporter, die nur mit Batterie fahren. Modern, erfolgreich und ein bisschen grün, so will Steinmeier auch sein.

Er steht in der Werkshalle, vor ihm zwei Prototypen. 75 km/h schnell sind sie, 75 Kilometer weit kommen sie mit einer Batterie. Damit würde es Steinmeier wohl nicht bis zur Bundestagswahl schaffen.

28000 Euro kostet ein Fahrzeug, davon 7 000 Euro allein die Batterie. Zu viel für den Massenmarkt. 25 Menschen arbeiten bei EcoCraft, 75 von Volkswagen bauen in Sarajevo die Teile zusammen. 400 Autos wollen sie in diesem Jahr verkaufen. "Die Elektromobilität hat ein Potenzial von Arbeitsplätzen, das wachsen wird", sagt Steinmeier.

Bis in 51 Tagen gewählt wird, will der Kandidat der SPD nur noch nach vorn schauen und nicht mehr zurück. Basta. "Die Arbeit von morgen" soll nun das Thema sein, das seiner Partei gefehlt hat, um Wähler anzuziehen. All die Unternehmen, die er in diesem Monat noch besuchen wird, sollen seinen "Deutschland-Plan" belegen, die Vision, mit der Steinmeier das Land aus der Wirtschaftskrise führen will. 60 Unternehmen, Forschungsinstitute, Bildungsstätten und Vereine in 14 Bundesländern klappert er ab.

Was bleibt ihm auch übrig? Der Westfale Frank-Walter Steinmeier, der Bürokrat, der Diplomat, der Nachdenkliche, muss plötzlich angreifen, attackieren, polarisieren - will er nur das Schlimmste für sich und die SPD verhindern. So ist sie, die Lage.

Steinmeier ist zum ersten Mal der Star in einem Wahlkampf. Er war immer der Mann hinter einer Nummer eins, die hieß Gerhard Schröder. In Hannover, in Bonn, in Berlin, im Bundeskanzleramt. "Er drängelt sich nicht", sagte Schröder diese Woche über seinen Wegbegleiter. Was als Kompliment gedacht sein mag, wirkt eher beängstigend für viele Sozialdemokraten. Kann einer Kanzler werden, ohne zu drängeln?

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