SPD-Führungswechsel löst Debatte aus: Union diskutiert wieder über Kandidaten

SPD-Führungswechsel löst Debatte aus
Union diskutiert wieder über Kandidaten

Die personellen Veränderungen an der SPD-Spitze haben auch Auswirkungen auf die Union - so scheint es zumindest. Die große Frage: Wer wird Kanzlerkandidat der Union, wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder vorzeitig abgelöst wird?

HB BERLIN. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Volker Kauder (CDU), warnte am Dienstag davor, schon jetzt darüber zu diskutieren, wer im Falle eines Sturzes von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen geht. Die Menschen würden jetzt Sachfragen interessieren und nicht Personalspekulationen, sagte Kauder in Berlin mit Blick auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Markus Söder. Der hatte seinen Parteichef Edmund Stoiber als möglichen Schröder-Herausforderer ins Gespräch gebracht. „Vielleicht könnte sich Herr Söder an diesen Rat halten“, sagte Kauder. Er zeigte sich auch wesentlich skeptischer als die CSU, dass die rot-grüne Regierung vorzeitig stürzt.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte am Montag nach einer Präsidiumssitzung die Kandidatenfrage offen gelassen und erklärt, die Union könne sich gegebenenfalls innerhalb kurzer Zeit auf einen Kandidaten einigen. Zuletzt war in weiten Teilen der CDU die Meinung vertreten worden, Merkel käme zum Zuge, sollte sich die Frage nach einem Kanzlerkandidaten stellen.

Kauder sagte, er glaube nicht an einen schnellen Sturz der Regierung. Zwar halte er es für möglich, dass Schröder noch in diesem Jahr sein Amt räume. Er gehe aber davon aus, dass dann die Koalition einen neuen Regierungschef wähle. Stoiber hatte dagegen zuvor in der Zeitung „Die Welt“ erklärt, nach seiner Ansicht werde Schröder vorzeitig abtreten. „Schröder wird 2006 nicht mehr Kanzler sein. Darauf müssen wir uns einstellen“, hatte er gesagt.

Kauder und auch CSU-Landesgruppenchef Michael Glos erteilten Überlegungen Stoibers für schwarz-grüne Koalitionen eine Absage. „Die Diskussion über schwarz-grüne Koalitionen ist so überflüssig wie ein doppelter Kropf“, sagte Kauder. Glos erklärte, er halte die Debatte über Schwarz-Grün für hoch gespielt, solange „Öko-Stalinisten“ und „ehemalige Terroristen“ wie Bundesumweltminister Jürgen Trittin und Außenminister Joschka Fischer führende Repräsentanten der Grünen seien. Stoiber hatte in der vergangenen Woche der Debatte über schwarz-grüne Koalitionen mit der Bemerkung neue Nahrung gegeben, er schließe solche Bündnisse nicht von vorneherein aus.

Die Grünen-Fraktionschefin Krista Sager forderte Glos auf, sich für die Äußerungen zu entschuldigen. Man könne annehmen, Glos habe sich „im Zustand vorsätzlicher Trunkenheit“ geäußert. Trittin nannte die Äußerungen von Glos eine „Entgleisung“.

In der Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Johannes Rau brachte die „Bild“-Zeitung als möglichen Kandidaten der Union den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, ins Spiel. Köhler sei heimlicher Favorit von CDU-Chefin Angela Merkel, falls der frühere Parteivorsitzende Wolfgang Schäuble keine Mehrheit finde, berichtete die Zeitung. Kauder sagte, Köhler sei eine „herausragende Persönlichkeit“. IWF-Sprecherin Conny Lotze wollte den Bericht nicht kommentieren. Köhlers Amtsperiode laufe bis Mai 2005, sagte sie lediglich. Söder ließ erneut die Sympathien seiner Partei für Schäuble erkennen und sagte, der ehemalige CDU-Chef genieße in der CSU „höchste Wertschätzung“.

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