0 Bewertungen
02.06.2005 
Müntefering sagt nicht Nein

SPD hält sich "Millionärssteuer" offen

Die SPD-Fraktion hat nach den Worten des SPD-Fraktions- und Parteivorsitzenden Franz Müntefering keine Entscheidung im Hinblick auf eine mögliche Wiedereinführung der Vermögensteuer getroffen.

Ottmar Schreiner (r.), hier mit Kanzler Schröder. Foto: dpa

Ottmar Schreiner (r.), hier mit Kanzler Schröder. Foto: dpa

HB BERLIN. Müntefering sagte nach einer Fraktionssitzung am Donnerstag, das Stichwort Vermögenssteuer sei bei dem Treffen gefallen, es habe aber "keine Entscheidung" gegeben.

Vertreter der SPD-Linken hatten zuvor gefordert, mit der Forderung nach der "Millionärssteuer" in den Wahlkampf ziehen. Der Vorsitzende der Arbeitnehmervereinigung der SPD, Ottmar Schreiner, sagte, die SPD solle in ihrem Wahlprogramm einen Steuerzuschlag für sehr hohe Einkommen festschreiben. „Es ist ein Gerechtigkeitsthema“, sagte Schreiner. „Man kann doch nicht ständig darüber jammern, wie schamlos sich manche Manager selbst bedienen und ihnen durch die fortgesetzte Absenkung des Spitzensteuersatzes noch Geschenke hinterherschieben.“

Auch die bayerische SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk sagte: „Warum sollen die Superreichen nicht etwas mehr bezahlen?“ Sie würde es begrüßen, wenn die SPD diese Forderung in ihr Wahlprogramm aufnähme. Der SPD-Finanzexperte Ralf Stegner, der inzwischen Innenminister des Landes Schleswig-Holstein ist, plädiert bereits seit langem für einen Zuschlag für Reiche. Sein Konzept sieht vor, Einkommen ab 500 000 Euro im Jahr - ­zu DM-Zeiten wären das Einkommensmillionäre gewesen - ­ mit einem Zuschlag von fünf Prozent zur Einkommenssteuer zu belegen.

Auch Stegner verlangte jetzt, diese Forderung in das Wahlprogramm aufzunehmen, weil es für die Partei im Wahlkampf hilfreich sei. „Wir können die Notwendigkeit der Sozialreformen nur dann vermitteln, wenn das Gerechtigkeitsgefühl nicht verletzt wird. Breite Schultern können mehr tragen.“ Nach Stegners Schätzung würde ein solcher Steuerzuschlag dem Staat zusätzliche Einnahmen von einer Milliarde Euro im Jahr bescheren.

Das Wahlprogramm der SPD soll bis Ende Juni von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering entworfen und bei einem kleinen Parteitag am 4. Juli beschlossen werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar