SPD-Kandidat greift Merkel an
Steinbrück fordert „Beinfreiheit“ für den Nahkampf

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„Die schlechteste Regierung seit 1949“

Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt nach der Entscheidung der Troika für die Kanzlerkandidatur zeigte sich Steinbrück in Münster kämpferisch und rief zur Geschlossenheit auf: "Diese Bundestagswahl ist nur durch die Mobilisierung der Anhänger zu gewinnen." Großen Beifall erhielt er vor allem dann, wenn er die Bundesregierung frontal angriff. "Schwarz-Gelb kann nicht regieren - so einfach ist das. Die Vorstellung ist die schlechteste eines Bundeskabinetts seit 1949", klagte er. "Es wird diese Bundesregierung in zwölf Monaten nicht mehr geben."

In der Euro-Krise attackierte Steinbrück Kanzlerin Merkel. Sie müsse den Deutschen "endlich die Wahrheit sagen", sagte Steinbrück der "Welt am Sonntag". Griechenland werde sich noch sieben bis acht Jahre lang kein Geld am Kapitalmarkt leihen könne. "So lange werden wir helfen müssen."

Die Griechen müssten zu ihren Verpflichtungen stehen, "aber wir sollten ihnen mehr Zeit geben", verlangte Steinbrück. Er schloss nicht aus, einem weiteren Hilfspaket zuzustimmen: "Ob die SPD im Bundestag einem dritten Hilfspaket für Athen zustimmen würde, kommt auf die Bedingungen an."

Strikt wandte sich Merkels Herausforderer gegen einen Euro-Austritt Athens: "Wir sollten allen, die martialisch den Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone fordern, deutlich sagen: Ihr wisst nicht, wovon ihr redet! Die politischen und ökonomischen Erschütterungen wären verheerend."
Mit seinen Griechenland-Ideen löste Steinbrück sofort Widerspruch aus. Unions-Chefhaushälter Norbert Barthle kritisierte, schon jetzt über ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland zu reden. Aber auch der Ökonomund IMK-Chef Gustav Horn kritisierte Steinbrück: "Er hat noch nicht die grundlegende Funktion von Zentralbanken auch für die Rettung Griechenlands verstanden. Nur wenn die EZB die Zinsen für Griechenland und die anderen Krisenländern niedrig hält, haben diese und der Euro insgesamt eine Chance gegen die Panik -und Spekulationswellen der Finanzmärkte" schreibt Horn auf seiner Facebook-Pinwand.

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  • Exakt, margrit117888!

    Ich rechne fest damit, dass aus den bereits genannten Gründen Herr SB selbst zur Schlachtbank „gegangen wird“ und sich sogar gut dabei fühlt, weil ihm jeder aus seiner Partei vorspielt, wer wäre der „kompetenteste Kandidat“.

    Die öffentlich zur Schau gestellte Bescheidenheit von Herrn G und Herrn SM in der Kanzlerfrage ist schon sehr auffällig (und unglaubwürdig). Derartiges Verhalten, freiwillig in der 2. Reihe zu stehen, kennt man nicht von ihnen. Zumal die beiden, allen voran Herr SM, sich lieber selbst als Kanzler sehen und das oft genug signalisiert haben.

    Die Neupositionierung von Herrn SB als Kanzlerkandidaten bedeutet: „Geh du mal vor und spring vor den Zug. Wir kommen später nach und machen sauber.“

    Apropos Saubermachen: Bei der Bundeswehr wurden die unbeliebtesten Offiziere immer befördert und anschließend an andere Standorte versetzt. Das geschieht in der Politik und Wirtschaft ebenso schnell, wie einfach. Die Betroffenen fühlen sich geehrt und glauben tatsächlich, sie wären Auserwählte, die besonders gefragt und kompetent sind. Sind sie auch. Allerdings nur auserwählt, denn die Verantwortlichen sind nur froh und dankbar, dass sie den Ballast für immer los sind.

    Herr G und Herr SM haben längst den Deal gemacht, dass die Zeit reif ist, Herrn SB zu verabschieden. Den Mantel hat man ihm mit der Kanzlerkandidatur bereits symbolisch überreicht. Eine Ehre, die eigentlich nur ein Tritt in den Hintern ist.

  • milo
    Die SPD hat seit Schröder völlig ihre Wurzeln verloren. Dann ging sie in die Koalition mit Merkel und wurde von dieser nochmals zerlegt.
    Frau Merkel war in dieser Koalition doch nur ein Haubentaucher (Künast). Alle Negativas fürs Volk verküdeten SPD-Minister und so blieb Merkel immer die ach so Beliebte beim Volk.
    Ist wie jetzt, sie zerlegt sowohl die FDP als auch die CDU, sie selbst ist immer abgeduckt und genau deswegen, weil sie nichts tut, ist sie so beliebt.
    Mich erschreckt nur immer, dass die Bürger das nicht merken

  • Rechner
    es wäre vor allem der Beginn der Gesundung von Griechenland.
    Die Preise würden sinken, der Tourismus würde wieder anspringen, was ja immer eine große Einnahmequelle war und langsam könnte das Land wieder gesunden.

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