SPD-Kandidat greift Merkel an

Steinbrück fordert „Beinfreiheit“

Er ist der Außenseiter, aber er geht aufs Ganze: Steinbrück will als Kanzlerkandidat Schwarz-gelb aus dem Sattel heben und mit Rot-grün eine Wende der Politik herbeiführen. Die Themen dafür hat er bereits identifiziert.
Update: 30.09.2012 - 18:52 Uhr 35 Kommentare

Erster großer Auftritt vom SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

MünsterErst am Montag wird Peer Steinbrück formell zum Kanzlerkandidaten der SPD gekürt, doch gleich nach seiner verfrühten Kür am Freitag startete der Ex-Finanzminister in den Wahlkampf. Aber bevor er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Sattel stoßen kann muss er die eigene Partei hinter sich bekommen. Verklausuliert, aber unmissverständlich forderte Steinbrück beim Parteitag der NRW-SPD in Münster daher die Richtlinienkompetenz ein: "Das Programm muss zum Kandidaten passen, der Kandidat zum Programm. Ihr müsst dem Kandidaten an der einen oder anderen Stelle auch etwas Beinfreiheit einräumen."

Beim linken SPD-Parteiflügel traf Steinbrück, der die ungeliebte Rente mit 67 als Minister durchgedrückt hat, jedoch nach wir vor auf große Skepsis. In Münster mahnte er daher zu Geschlossenheit im Wahlkampf. "Ich werbe für euer Vertrauen, meines habt ihr", sagte er. Um Kanzler werden zu können, müsse er nicht nur die 500.000 SPD-Mitglieder überzeugen, sondern auch 62 Millionen Wähler erreichen.

Der Parteivorstand kommt am Montag zusammen, um den 65-jährigen Ex-Finanzminister auf Vorschlag von Parteichef Sigmar Gabriel als Herausforderer von Merkel bei der Bundestagswahl 2013 zu nominieren. Als Wahlziel gab Steinbrück bei seiner Rede in Münster eine rot-grüne Koalition aus; "Wir setzen eindeutig auf Sieg und nicht auf Platz." Ein Bündnis mit der Linkspartei oder mit den Piraten schloss er definitiv aus. Eine große Koalition schloss er nicht aus - allerdings nicht mit ihm selbst: für ein Ministeramt unter Merkel stehe er nicht zur Verfügung.

Allerdings gibt es für eine rot-grüne Koalition nach den aktuellen Umfragen derzeit ebenso wenig eine Mehrheit wie für eine Wiederauflage von Schwarz-Gelb. Im Emnid-Sonntagstrend für "Bild am Sonntag" trennen SPD (27 Prozent) und Union (37 Prozent) zehn Prozentpunkte. Rot-Grün käme zusammen nur auf 40 Prozent; die aktuelle Regierungskoalition trotz der Schwäche der FDP (fünf Prozent) hingegen auf 42 Prozent. Die Linkspartei erreicht demnach acht Prozent, die Piraten sechs.

Bei diesen Zahlen bleibt einem Kanzler Steinbrück nur eine einzige Möglichkeit: Eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen. Genau das brachte der Schleswig-Holsteiner Wolfgang Kubicki (FDP), ein Studienkollege von Steinbrück, am Wochenende ins Gespräch.

„Die schlechteste Regierung seit 1949“
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35 Kommentare zu "SPD-Kandidat greift Merkel an: Steinbrück fordert „Beinfreiheit“ für den Nahkampf"

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  • Exakt, margrit117888!

    Ich rechne fest damit, dass aus den bereits genannten Gründen Herr SB selbst zur Schlachtbank „gegangen wird“ und sich sogar gut dabei fühlt, weil ihm jeder aus seiner Partei vorspielt, wer wäre der „kompetenteste Kandidat“.

    Die öffentlich zur Schau gestellte Bescheidenheit von Herrn G und Herrn SM in der Kanzlerfrage ist schon sehr auffällig (und unglaubwürdig). Derartiges Verhalten, freiwillig in der 2. Reihe zu stehen, kennt man nicht von ihnen. Zumal die beiden, allen voran Herr SM, sich lieber selbst als Kanzler sehen und das oft genug signalisiert haben.

    Die Neupositionierung von Herrn SB als Kanzlerkandidaten bedeutet: „Geh du mal vor und spring vor den Zug. Wir kommen später nach und machen sauber.“

    Apropos Saubermachen: Bei der Bundeswehr wurden die unbeliebtesten Offiziere immer befördert und anschließend an andere Standorte versetzt. Das geschieht in der Politik und Wirtschaft ebenso schnell, wie einfach. Die Betroffenen fühlen sich geehrt und glauben tatsächlich, sie wären Auserwählte, die besonders gefragt und kompetent sind. Sind sie auch. Allerdings nur auserwählt, denn die Verantwortlichen sind nur froh und dankbar, dass sie den Ballast für immer los sind.

    Herr G und Herr SM haben längst den Deal gemacht, dass die Zeit reif ist, Herrn SB zu verabschieden. Den Mantel hat man ihm mit der Kanzlerkandidatur bereits symbolisch überreicht. Eine Ehre, die eigentlich nur ein Tritt in den Hintern ist.

  • milo
    Die SPD hat seit Schröder völlig ihre Wurzeln verloren. Dann ging sie in die Koalition mit Merkel und wurde von dieser nochmals zerlegt.
    Frau Merkel war in dieser Koalition doch nur ein Haubentaucher (Künast). Alle Negativas fürs Volk verküdeten SPD-Minister und so blieb Merkel immer die ach so Beliebte beim Volk.
    Ist wie jetzt, sie zerlegt sowohl die FDP als auch die CDU, sie selbst ist immer abgeduckt und genau deswegen, weil sie nichts tut, ist sie so beliebt.
    Mich erschreckt nur immer, dass die Bürger das nicht merken

  • Rechner
    es wäre vor allem der Beginn der Gesundung von Griechenland.
    Die Preise würden sinken, der Tourismus würde wieder anspringen, was ja immer eine große Einnahmequelle war und langsam könnte das Land wieder gesunden.

  • Lebemann
    ich glaube, Sie haben Recht.
    So ähnlich ging es mir gestern auch durch den Kopf.
    Denn Steinbrück hat ja klar und deutlich gesagt, dass er als Minister nicht zur Verfügung steht in einer GroKo. Also wäre die SPD ihn dann los.
    Denn verliert er die Wahl, ist seine polit. Karriere zu Ende.
    Bis dann zur erneuten Wahl 2017 hat Gabriel noch Zeit, sich etwas zu erneuern und wird dann Kanzlerkandidat der SPD.
    Und dann wird die SPD wohl auch mit den Linken koalieren, was Steinbrück ja jetzt schon kategorisch ablehnt.
    Denn bis dahin ist auch diese dümmliche Hype um Kraft vorbei, die ja hier in NRW bis jetzt nichts auf die Reihe bekommen hat.
    Oder es kommt alles anders, wenn Deutschland im kommenden Jahr wirtschaftlich abschmiert auf Grund der Euro-Krise

  • Man sollte schon mal hinterfragen, wie demokratisch ist eigentlich die SPD in sich selbst, im Prinzip ist sie genauso ein Abnickverein wie die CDU, drei Hohlkoepfe machen die Kandidatur unter sich aus, die Partei darf abnicken. Sugardaddy Muente hieft seine Frau auf die Liste und in die Talkshows, die SPD stimmt alternativlos mit der CDU fuer den Eurowahnsinn. Was fuer ein verlorener Haufen SPD.

  • O-Ton Steinbrück
    ------------------
    "Wir sollten allen, die martialisch den Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone fordern, deutlich sagen: Ihr wisst nicht, wovon ihr redet! Die politischen und ökonomischen Erschütterungen wären verheerend."
    ------------------

    Ein Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone würde keine "politischen und ökonomischen Erschütterungen" erzeugen - außer vielleicht in Griechenland - sonder es wäre der Beginn der Gesundung der Eurozone.

    Derjenige, der hier nicht weiß wovon er redet, ist das sozialistische Großmaul selbst.

  • Wer meint, er wäre ein guter Schachspieler, aber dann das Brett falsch herum aufstellt, kann zwar zum Wahlkrampf antreten, aber ohne Aussicht auf Erfolg. Herr SB wird nicht ohne Hintergedanken von der SPD als „Kanzlerkandidat“ ins Rennen geschickt. Herr SM sowie Herr G wissen bereits, dass 2013 niemand die Kanzlerin ablösen wird. Sie möchten ihre Chance deshalb für die übernächsten Wahlen nutzen und brauchten einen Freiwilligen, den sie für den Wahlkrampf 2013 opfern können. Deshalb schicken sie Herrn SB mit einem Schulterklopfen in den Abgrund der politischen Untiefen und sind ihn mit einem Schlag für immer los. Beliebt war Herr SB eh nie. Und erfolgreich schon gar nicht.

    Bis 2013 kitzeln ihm selbst die Scheinheiligen aus den eigenen, aber auch Scheinheilige aus anderen Reihen den Bauch und drücken ihn alle behutsam, aber bestimmt nach vorne. Einer musste sich opfern. Den einen haben sie nun erwischt. Und was macht die schwarze Dame? Die schaut aus der Ferne zu und amüsiert sich über das Bauernopfer.

  • @spacewalker: "Wo bleiben denn bloß die Bilderberger-Verschwörungs-Theoretiker?"
    Ach, wissen Sie: der Einfluss diesen elitären Clubs wird vermutlich sowieso stark überschätzt. Zwar ist es eklatant auffällig, dass diverse Teilnehmer der Treffen später hohe Ämter in ihrem Herkunftsland bekleideten, siehe...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Teilnehmern_an_Bilderberg-Konferenzen
    ... , aber genauso gut kann man auch zahlreiche Gegenbeispiele aufführen.
    Nehmen Sie als aktuellstes US-Präsident Obama: der war niemals mit von der Partie. Sollte ihn dieser "Club" also überhaupt nicht auf dem Radar gehabt haben? ;-)
    Statt mit Spekulationen sollte man daher also grundsätzlich besser mit harten Fakten arbeiten, die tatsächlich aufzeigen, wie (internationale) Hochfinanz und Politik interagieren:
    Federal Reserve ~ The Enemy Of America
    Dies zeigt auch wunderschön, dass z.B. die Teilnehmer der Occupy-Bewegung, der "Umfairteilung"-Demonstrationen oder die "Griechenland-Anti-Spar"-Sympathisanten den ganz falschen Gegner bekämpfen. Kaum einer von denen erkennt, dass die tatsächliche Ursache der Krise an unserem Geldsystem liegt, und kaum jemand stellt die Forderung: "Gebt uns endlich ehrliches Geld!"
    Dies wird auch ein Peer Steinbrück niemals tun, denn tatsächlich würde seine (zukünftige) Macht genauso auf diesem Geldsystem fußen, denn mit ihm sind Politik und Banken fest aneinander gekettet. Und wenn Sie in dem verlinkten Artikel weiterlesen, dann finden Sie auch den Beleg dafür, dass nicht nur die Politiker im Kapitalismus, sondern eben auch die im Kommunismus nur dadurch ihre Macht ausüben können:
    "Centralization of credit in the banks of the state, by means of a national bank with state capital and an exclusive monopoly." -- Fifth plank of the Communist Manifesto, 1848

  • Sie scheinen die selben Eigenschaften zu haben, wie Steinbrück, darauf kann man nicht stolz sein, da kann man sich eher überlegen, wie man sich bestrafen kann...

  • Achtung Deutsche! Wenn Steinbrück kommt, kommen auch bedingungslos die EUROBONDS. Dann wird Deutschland im Namen der Solidarität mit den Dolce Vita-Staaten ausgeblutet.

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