SPD-Kandidat Weil im Interview
Der Wirtschafts-Schreck

Mit deutlichen Ansagen an Finanzindustrie und Wirtschaft geht Stephan Weil in die Endphase des niedersächsischen Wahlkampfs: Sparkassengehälter will er offenlegen und mit VW-Chef Winterkorn über gerechte Bezahlung reden.
  • 29

Handelsblatt Online: Herr Weil, die Steinbrück-Debatte platzt mitten in ihren Wahlkampf. Wie finden Sie das Auftreten ihres Parteikollegen als Kanzlerkandidat?
Stephan Weil: Da, wo ich mit Peer Steinbrück aufgetreten bin, war das immer ein voller Erfolg. Die Diskussion über ihn auf Bundesebene halte ich für sehr übertrieben. Für uns in Niedersachsen hat das keine negativen Auswirkungen. Unsere Umfragewerte sind stabil, es sind keine Bremsspuren erkennbar.

Haben Sie sich nicht auch mal gefragt, wieso das Feuer eigentlich noch brennt, das Steinbrück entfacht hat?

Die Debatte ist eine Welle in den Medien, die aber im Bewusstsein der Niedersachsen keine wesentliche Rolle spielt. Den Leuten ist klar, dass es hier um eine Landtagswahl geht.

Die aber auch einige bundespolitische Aspekte in sich trägt.

Die Niedersachsen-Wahl wird bundespolitische Auswirkungen haben. Aber die Bundespolitik wird nicht über den Ausgang der Niedersachsen-Wahl entscheiden.

Ist es nicht bitter, dass Steinbrück bei den Bürgern inzwischen sogar unbeliebter ist als Außenminister Guido Westerwelle?

Möglichweise ist die Beliebtheit von Herrn Westerwelle ein Reflex auf die Unbeliebtheit von Herrn Rösler.

Für die Bundes-SPD, die ja im Grunde den Sieg in Niedersachsen schon eingepreist hat, dürfte sich, wenn das Erhoffte nicht eintritt, doch einiges ändern nach der Wahl am 21. Januar.

Mir war immer klar, dass es knapp wird. Jetzt kommt es darauf an, dass wir den Vorsprung auf den letzten Metern stabilisieren, ausbauen und ins Ziel bringen.

Wir würden Sie im Fall der Fälle mit den Linken umgehen?

Ich kämpfe eindeutig für eine rot-grüne Koalition und freue mich, wenn die Linke nicht in den Landtag einzieht. Das unterscheidet mich im Übrigen von Herrn McAllister. Lediglich der noch amtierende Ministerpräsident hat ein Interesse daran, dass die Linke in den Landtag einzieht. Meine Botschaft lautet: Jede Stimme für die Linke ist eine Stimme für McAllister.

Als Windstromland ist die Energiewende für Niedersachsen von besonderer Bedeutung. Wie läuft Ihrer Ansicht nach die Umsetzung seitens des Bundes?

Derzeit laufen wir Gefahr, durch das Energiewende-Chaos der Bundesregierung schwere Schäden zu erleiden. Die Offshore-Firmen an der Küste haben in den letzten Jahren tausende von Arbeitsplätzen geschaffen. In den Büchern stehen jetzt aber nur noch Aufträge bis Mitte des Jahres. Investoren neuer Windparks haben ihre Pläne reihenweise zurückgestellt, weil ihnen die Rahmenbedingungen zu unsicher sind. Das kann dazu führen, dass eine Zukunftsindustrie stirbt, bevor sie richtig zu leben begonnen hat.

Kommentare zu " SPD-Kandidat Weil im Interview: Der Wirtschafts-Schreck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie täuschen sich Herr Weil! Herr Steinbrück ist Verdammung diesen Wahlen bis auf Bundestagswahl! Und ihr „verbrannter“ Peer hilft in der Tat nicht Ihnen, sonder dem „Mc“ und der Frau Merkel. Reichtum und Intelligenz sind keine Sünde! Geschäftsideen und angemessener Preis dafür sind auch jede Zeit willkommen! Nun dieser Peer ist kein Geschäftsmann und nützte seinen politischen Ämtern als Vorsprung für seine Quasi-Geschäftsideen! Das ist schon Korruption! Er war auch gerne von seinen Seilschaften von ThyssenKrupp bis auf Deutsche Bank auch gerne wegen seiner politischen Stellung genützt und diente in der Tat als Lobbyist. Desweiteren sahen wir den reichen Peer nicht als Spender der Wohltätigkeiten, aber als Geldauftreiber auf dem Rückweg von Bochumer Stadtwerke. Das entstandene daraus Image entspricht durchaus dem Original und das ist abschreckend und abscheulich für die Wähler…

  • @ Scherzkeks

    Wenn die ALTERNATIVEN,

    - PIRATEN in der OPPOSITION

    - FREIE WÄHLER in Regierungsbeteiligung

    über 5 % kommen, ist schon sehr viel "FRISCHER WIND" eingezogen und sorgt zumindest für Aufklärung in den vermieften Strukturen !

    DESHALB ALTERNATIV WÄHLEN !!!

  • Das ist eine gefährliche und falsche Sichtweise, solange die Alternative zersplittert ist ändert sich gar nichts.
    Linke und Piraten können es nicht.
    Fazit:
    Es führt ein einziger Weg zu Veränderung (= Revolution);
    frei nach Karl Marx:

    ALTERNATIVE ALLER COULEUR VEREINIGT EUCH!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%