SPD-Kanzlerkandidat
Peer Steinbrück soll es richten

Jetzt ist es raus: Peer Steinbrück soll die SPD als Frontmann in den Bundestagswahlkampf führen. Die Nachricht löste ein breites Echo aus – selbst in der SPD kein ungeteilt positives.
  • 27

BerlinDer frühere Finanzminister Peer Steinbrück hat am heutigen Samstag seinen ersten Auftritt als frisch gekürter Kanzlerkandidat vor der SPD-Parteibasis. Beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen SPD in Münster wird er zu den Delegierten sprechen. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel hatte Steinbrück am Freitag als Kandidaten vorgeschlagen, nachdem auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verzichtet hatte. Steinbrück (65) war von 2002 bis 2005 Ministerpräsident einer rot-grünen Koalition in Düsseldorf. Er hat auch seinen Wahlkreis in Nordrhein-Westfalen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) befürchtet keine größeren Widerstände in ihrer Partei gegen Steinbrück. „Die Zustimmung ist größer als allgemein behauptet wird“, sagte die SPD-Landesvorsitzende, die auch stellvertretende SPD-Chefin ist. Als Bundesfinanzminister habe er in schwierigen Zeiten bewiesen, dass er das Land führen könne. „Er genießt Respekt weit ins bürgerliche Lager hinein.“ Ziel sei Rot-Grün wie in NRW. „Jetzt sind wir im Wahlkampfmodus. Ab jetzt werden wir auf Sieg setzen.“

Gabriel bezeichnete Steinbrück in der „Bild“-Zeitung (Samstag) als den „besseren Kanzler“. Auch Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hält Steinbrück für eine gute Wahl. „Ich begrüße das ausdrücklich. Er will das, und er kann das“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Samstag). Steinbrück könne Merkel schlagen. Schröder empfahl seiner Partei zugleich, eine Ampel-Koalition mit Grünen und FDP nach der Bundestagswahl 2013 nicht auszuschließen.

Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering rechnet damit, dass sich die SPD geschlossen hinter ihren Spitzenkandidaten stellt. Er sagte am Samstag im Deutschlandradio Kultur, Steinbrück sei ein sehr guter Kandidat für das Jahr 2013, und „da wird sich nun alles drum scharen“. Es gebe einzelne Personen in der SPD, „die da Sympathien oder Antipathien haben, aber die allermeisten in unserer Partei - da bin ich ganz sicher – die wissen, wir haben eine Chance im nächsten Jahr“, so Müntefering. Der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag) sagte Müntefering über Steinbrücks Qualitäten: „Er kann Florett und er kann Säbel. Die Konkurrenz wird das zu spüren bekommen.“

Auch eine Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) hält Steinbrück laut einer Infratest-Blitzumfrage für die ARD-„Tagesthemen“ für einen guten Kanzlerkandidaten. Nur 21 Prozent sind nicht dieser Meinung. Wenn die Deutschen direkt wählen könnten, läge Kanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings klar vor ihrem SPD-Herausforderer. Laut ARD-„Deutschlandtrend“ würden sich 50 Prozent für Merkel entscheiden, 36 Prozent für Steinbrück. Mit seinen Vorschlägen zur Regulierung der Banken stößt der SPD-Kandidat indes auf enormen Rückhalt in der Bevölkerung. Neun von zehn Bürgern (91 Prozent) sind der Ansicht, die Banken sollten für Notfälle mit eigenen Rettungsfonds vorsorgen müssen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest im Auftrag der Sendung "Günther Jauch", die am morgigen Sonntag in der ARD ausgestrahlt wird. 85 Prozent der Befragten würden eine gesetzliche Begrenzung der Gehälter von Bankmanagern begrüßen. Für eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking sprechen sich 73 Prozent der Bürger aus.

Seite 1:

Peer Steinbrück soll es richten

Seite 2:

Kommentare zu " SPD-Kanzlerkandidat: Peer Steinbrück soll es richten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • kann man sich das Wählen sparen.

    Nein, wenigstens ungültig wählen, damit die für ihr Vollversagen nicht auch noch Geld bekommen!
    Da zählt dann nämlich auch jede abgegebene Stimme!

  • Dann ist auch der Kandidat egal !
    Sogar das Wahlvolk wird egal sein, denn die Bilderberger haben schon längst beschlossen, was hier passiert.
    Steinbrück und Tritt-Ihn sind ihre Soldaten!

  • Rentner und Geringverdienser zahlen kaum bzw. keine Steuern. eine Entlastung dieser Menschen war durch CDU/CSU/FDP nicht geplant.

    Gemessen an ihrem Einkommen sehe ich das aber vollkommen anders!
    Kaum oder keine Steuern zahlt die reiche Oberschicht sowie die entsprechende Unterschicht, auch Hartz IV genannt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%