SPD-Kanzlerkandidat: „Schulz muss einen Stürmer einwechseln“

SPD-Kanzlerkandidat
„Schulz hat das Image eines sachlichen Sparkassendirektors“

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„Schulz muss einen Stürmer einwechseln“

Wenn er sich verstellt, ist er nicht mehr authentisch. Das kann doch nicht die Lösung sein.
Deshalb muss er auf Basis seiner Werte einen Wandel verkörpern. Er soll weiter loyal und bodenständig bleiben. Das ist die Eintrittskarte in den Wahlkampf. Doch darüber hinaus muss er zeigen, dass mehr in seiner Persönlichkeit steckt. Dass er das Land anführen kann. Dass er eine klare Überzeugung hat. Um ein Tor zu schießen, muss Martin Schulz einen Stürmer einwechseln. Sonst gewinnt er das Spiel nicht.

Spielt er mit der richtigen Taktik?
Er hat sich auf das Thema Gerechtigkeit positioniert. Das ist aber nur eine abstrakte Hülle. Es fehlt an konkreten Inhalten. Außerdem frage ich mich, ob das überhaupt eine Position ist, mit der er gewinnen kann.

Inwiefern?
Ist das Thema Gerechtigkeit wirklich attraktiv genug für die Mehrheit der Bevölkerung? In Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Ich erkenne an dieser Position drei zentrale Probleme: zu allgemein, zu inkonkret, zu wenig relevant.

Ist er etwa nur für die Europapolitik gemacht?
Im Europaparlament war er oft der Rolle des Vermittlers. Dort ging es um ein Fachthema, nicht um ihn selbst. Nun hingegen muss er eine Bewegung anführen. Plötzlich steht er im Vordergrund. Es scheint, als würde er sich in seiner neuen Rolle nicht wohlfühlen.

Woran machen Sie das fest?
An öffentlichen Auftritten oder in Interviews. Er wirkt dort nicht überzeugend. Anders als etwa einst Gerhard Schröder.

Ein ungleiches Duell.
Durchaus. Aber Schröder hat den Menschen das Gefühl gegeben: „Ich bin einer von euch.“ Er wusste, wie wichtig es ist, sich als Mensch zu zeigen. Und dann hat er sich bei Bratwurst und Bier unter Leuten gezeigt.

Ist Martin Schulz also nicht abgezockt genug, um Kanzler zu sein?
Das zeigt sich in den entscheidenden Momenten. Ich habe das Gefühl, Herrn Schulz fehlt dieses Gespür für den Moment. Ein Beispiel: In der Sendung von Sandra Maischberger wurde Schulz nach seinem Auto gefragt. Das war eine Riesenchance, Persönlichkeit zu zeigen. Eine Riesenchance, Mensch zu sein. Und Schulz sagt: „Ich fahre einen Volvo, so einen S60 glaube ich heißt der.“ Ein vergebener Elfmeter auf dem Weg zur starken Marke.

Wieso? Eigentlich war er doch nur ehrlich…
Die Menschen beklagen doch zurecht, dass die Politik heute nicht nahbar genug ist, nicht echt genug. Er hätte haufenweise Anekdoten anführen können, etwa von Autofahrten mit seiner Frau. Oder seiner Tauglichkeit als Beifahrer. Irgendetwas persönliches. Er hätte dem Zuschauer ein Bild von sich vermittelt, ein Bild von dem Menschen Schulz.

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