SPD-Kanzlerkandidat Schulz
„Wir wollen dieses Land führen“

Martin Schulz will mit der SPD bei der Bundestagswahl siegen. Die Partei wirkt erleichtert. Doch der ehemalige EU-Parlamentspräsident könnte schon bald unter Druck geraten.
  • 33

BerlinSeit wann er denn wisse, dass er angeblich der Beste in der SPD sei, wird der frischausgerufene Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende der Sozialdemokraten, Martin Schulz, am Dienstagabend im Berliner Willy-Brandt-Haus gefragt. „Schon immer“, witzelt der noch amtierende SPD-Chef Sigmar Gabriel.

„Herr Gabriel und ich haben uns am Samstag getroffen und nach einer sehr konkreten Analyse der Ausgangslage miteinander vereinbart, dass wir diesen Weg gehen wollen“, antwortet Schulz. „Es kann sein, dass ich die besten Chancen habe, für die SPD die Bundestagswahl zu gewinnen.“

Tatsächlich ist Schulz der ungetrübte Stolz anzusehen, obwohl er sich seit drei Tagen auf die Situation vorbereiten konnte. Und er macht auch keinen Hehl aus seinen Befindlichkeiten: „Heute ist für mich ein besonderer Tag“, sagt der ehemalige Präsident des EU-Parlaments. „Das ist eine außergewöhnliche Ehre, die ich mit Stolz, aber auch der gebotenen Demut annehme.“

Vorangegangen war ein Paukenschlag bei den Sozialdemokraten: Völlig überraschend hatte Gabriel einige Stunden zuvor vor der Fraktion erklärt, nicht als Kanzlerkandidat antreten zu wollen und den Parteivorsitz abzugeben. Seine Begründung, die auch im zeitgleich auf den Markt geworfenen Interview mit dem Magazin „Stern“ nachzulesen war: Schulz habe die besseren Chancen.

Gabriel hatte also eingesehen, dass er trotz politischer Erfolge mit seinen schlechten Umfragewerten bei einer Kandidatur das Ende der stolzen Sozialdemokratie hätte heraufbeschwören können. Gemeinsam mit den beiden stellvertretenden Parteivorsitzenden Hannelore Kraft und Olaf Scholz hatte er dann im SPD-Präsidium offiziell den Vorschlag gemacht, Martin Schulz ins Rennen zu schicken.

Kraft und Scholz standen am Dienstagabend sichtlich erleichtert ebenfalls in der Parteizentrale. Sie wirkten locker und scherzten mit SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Die Parteiführung schien froh über die überraschende Wendung in der K-Frage.

Acht Monate vor der Bundestagswahl steht nun also endlich fest, welcher Sozialdemokrat gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) antreten wird. Doch vor Schulz dürfte keine leichte Zeit liegen. Der gelernte Buchhändler, der sich eigentlich eine Karriere als Fußballer erträumte, wegen einer Verletzung dann aber erst Bürgermeister seiner Heimatstadt Würselen bei Aachen wurde und 1994 als EU-Abgeordneter nach Brüssel ging, um dort zum EU-Parlamentspräsident zu avancieren, steht nun mächtig unter Druck.

Kommentare zu " SPD-Kanzlerkandidat Schulz: „Wir wollen dieses Land führen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Handelsblatt steht für sich, juristisch, und muss sich daher schützen dürfen bzw. den Kommentator. Wenn das HB meint, den Kommentar nicht zu veröffentlichen, steht es dem Handelsblatt zu. Man sollte dann seine eigene Plattform gründen für Kommentare. Das Handelsblatt ist noch eins der wenigen Blätter, die Kritik an den Islam zulassen!

  • Der Grund für den überraschenden Abgang von Schulz aus Brüssel könnte sein, dass man versucht, Schulz zum Kanzler zu machen, der dann Deutschland konform für Brüssel machen soll.

  • @Herr J. Schwarz25.01.2017, 10:06 Uhr

    Wer ist denn das?

    Ein Tipp Herr Schwarz, googeln Sie unter "Berlusconi Capo".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%