SPD-Kanzlerkandidat
Wie Steinbrück die Wahl gewinnen will

Umfragetief, Fettnäpfchen, Steuerschreck? Alles keine Gründe für Steinbrück, die Flinte ins Korn zu werfen. Der SPD-Kanzlerkandidat will die Bundestagswahl gewinnen – und macht das mit seiner Personalauswahl deutlich.
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BerlinWas er auch anfasst, es geht schief. Seine Initiative für Steuergerechtigkeit kommt als Umverteilungskampagne an, die Personalauswahl legt seine konzeptionelle Inkonsequenz offen, sein Wahlkampfmanager muss sich gegen Veruntreuungsvorwürfe verteidigen – und eine Chance auf einen Sieg gegen Angela Merkel am 22. September hat er ohnehin nicht. Das ist die eine Sicht auf den SPD-Kanzlerkandidaten. Doch Peer Steinbrücks Sicht ist eine andere.

Einen Tag nach der Vorstellung seines Rumpf-Schattenkabinetts wirkt Steinbrück souverän und siegesgewiss. Die aktuellen Umfragen, so der SPD-Kandidat vor Journalisten in Berlin, „machen bei uns keinen nervös“. Erst im August beginne die heiße Phase des Wahlkampfes. Dann werde die SPD ihre Wähler mobilisieren, dann werde Rot-grün an Schwarz-gelb vorbeiziehen.

Das könne gar nicht anders sein, legt Steinbrück dar. Denn die SPD besetze die Themen, die den Menschen auf den Nägeln brennen: menschenwürdige Mindestlöhne, bezahlbare Mieten, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. „Nur die SPD liefert den Werteüberbau und sorgt für eine marktwirtschaftliche Renaissance“. Die Kanzlerin hingegen sei dabei, die CDU zu entkernen, der Partei jede wertegeleitete Politik zu nehmen.

Die Kanzlerinnenschelte bezieht Steinbrück auf die Europa-Politik. Aber der Euro spielt in seinen Gedanken nur noch eine erstaunlich geringe Rolle. Routiniert spult der Kandidat seine Positionen dazu ab. Vorwürfen gegen seinen Wahlkampfmanager Heiko Geue wegen Untreue tritt er massiv entgegen: dabei handele es sich um Verleumdungen.

Steinbrücks eigentliches Thema sind die Steuern und die Verteilungsgerechtigkeit. Seine Vorschläge zur Steuererhöhung haben ihm nicht nur im Handelsblatt und bei den Wirtschaftsverbänden Kritik eingetragen. Doch das tut Steinbrück als interessensgeleitet und irrelevant ab. Die große Mehrheit der Gesellschaft verstünde, warum die Steuern in Deutschland steigen müssen: um die Kommunen zu stärken, den Verfall der Infrastruktur zu bremsen, die Energiewende zu finanzieren. Und auch, um „die Drift in der Vermögens- und Einkommensentwicklung zu stoppen.“

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„Alles was nicht echt ist, wirkt nicht“

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  • Das mit dem "traune" ist jetzt ein Witz oder? Traunen kann man ihr eher so wie allen anderen Berufspolitikern,also garnicht.

  • Eine Bekannte meinte neulich, sie fände den Steinbrück so unsympathisch und arrogant und würde überlegen, ob sie nicht dann doch lieber die CDU wählen solle. So wie ich sie kenne ist sie eigentlich keine typische CDU Wählerin, sie denkt noch selbständig und liest viel.
    Und ganz ehrlich, es ist ein wirkliches Drama, dass dieser Herr Steinbrück immer noch so tut, als sei er als Kanzlerkandidat tragbar. Es wäre schön, wenn er bald "abdanken" würde, Oppermann wirkt frischer, echter, authentischer und weitaus sympathischer, der wäre sicherlich für die meisten SPD Sympathianten wählbarer, wenn dann vielleicht noch die Frau Nahles mit auf Langzeiturlaub gehen könnte, gerne auch in Begleitung des Herrn Gabriel, dann könnte man hoffen, dass noch ein Ruck durchs Land geht. Natürlich wissen wir alle, dass dies niemals geschieht, die "alten Recken" bestehen auf ihren Vorrechten, schließlich haben sie ja ihr Leben lang sich für das Wohl der Partei eingesetzt, zumindest werden sie es so sehen und viele in der SPD wohl auch, wir draußen im Lande sehen es anders und es gibt halt einfach Leute, die unsympathisch wirken oder die Inkompetenz ausstrahlen, egal ob es stimmt oder nicht, sie wirken halt einfach so.
    Dem Herrn Steinbrück kann man nur wünschen, dass er baldmöglichst diesen Druck von der Partei nimmt und geht, noch wäre genug Zeit, im Stillen hoffen es wohl viele, dass er es noch rechtzeitig kapiert. Irgendwie erinnert es an Scharping.

  • Der gute Steinbrück kann aufstellen wen er will, ohne den Stalinistischen Bund der Grünen mit seinen Kopf Trittin läuft nichts. Denn in einer Koalition mit den Grünen werden
    doch am Ende der Wahl die Minister vorgestellt. Die Grünen wollen sicher das Innenministerium haben, um sich vom Verfassungsschutz zu befreien, der vielleicht ausversehen darauf kommt, dass die Grünen Verfassuungsfeindlich agieren.

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