SPD-Konzept zu Energiekosten
Grüner Gegenwind für Stromsenker Steinbrück

Um die Strompreise in den Griff zu bekommen, will Steinbrück den Druck auf die Versorger erhöhen. Grünen-Minister Habeck hält nichts von Zwang. Und Ökonom Hüther warnt schon vor Nachteilen für den Standort Deutschland.
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BerlinDer schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält wenig von der Idee des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, im Kampf gegen die hohen Strompreise die Energieversorger bei einem Wahlsieg notfalls zu Tarifsenkungen zu zwingen. „Schon heute kann jeder Bürger seinen Stromanbieter wechseln“, sagte Habeck Handelsblatt Online. Es sei meist möglich, selbst Ökostrom günstiger zu beziehen als Graustrom beim Grundanbieter. „Damit lassen sich weit mehr Kosten sparen als der EEG-Anstieg ausmacht.“

Aber bei den Ausnahmen von der Umlage nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) für die Industrie zeige der SPD-Vorschlag in die richtige Richtung. „Zurzeit profitiert fast nur die Industrie von sinkenden Börsenpreisen“, sagte Habeck. „Wenigstens um den Preis, um den der EEG-Strom den Börsenpreis senkt, sollten die Industrieausnahmen zurückgefahren werden. Schön wäre, wenn Steinbrück hier auch Mut beweisen würde.“

Derzeit fallen zwar die Preise im Einkauf an der Strombörse wegen des steigenden Anteils von Solar- und Windstrom stark. Wegen höherer Umlagen, Steuern und Abgaben im Endkundenpreis zahlen die Bürger trotzdem immer mehr für Strom. Steinbrück will daher die Anbieter dazu verpflichten, ihre Grundversorgertarife an die Bundesnetzagentur zu melden. Diese soll dann regulierend eingreifen, wenn Tarife zehn Prozent über dem niedrigsten Preis in einer Region liegen.

Versorger stehen im Verdacht, die günstigeren Einkaufspreise nicht an die Verbraucher weiterzugeben. Würde diese Preissenkung an die Haushalte weitergegeben, könnten dort laut Steinbrück 1,5 Milliarden Euro gespart werden. 40 Prozent der Verbraucher nutzten den Grundversorgertarif. Daher könnten die Haushalte mit ihrem neuen Regulierungsvorschlag erheblich entlastet werden. Grundversorgungstarife sind zum Teil um mehrere hundert Euro pro Jahr teurer als andere Tarife.

Kommentare zu " SPD-Konzept zu Energiekosten: Grüner Gegenwind für Stromsenker Steinbrück"

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  • Hüter = aroganter Buergerabzocker. Durch die Industrie bezahlter. .....

  • @hoffmann Völlig richtig ist, daß Schwarz-Gelb sich als Grün entpuppt haben. Sie hätten vor 4 Jahren sofort den ganzen EEG-Unsinn beenden können. Dahinter steckt mehr als nur Trägheit - Merkel sagte 1997 "Energie ist heute zu billig...gezielt mit Steuern...verteuert werden". Der FDP nehme ich noch politischen Opportunismus und Mitläufertum als Entschuldigung ab, aber nicht der CDU. Sie haben nur das getan was sie schon immer geplant haben. Die CDU (und auch CSU) predigt einen rechts-mittigen Arbeinehmer-freundlichen Kurs, aber verfolgt in Wahrheit einen linksgrünen Kurs, und das begann schon in den Achzigern, insbesondere nach FJS.

    Daß die EEG-Umlage noch für andere Subventionen ist, wäre mir nicht bekannt. Soviel ich weiß ist die EEG-Umlage ganz einfach der Versuch, die Kosten die für Einspeisevergütungen gezahlt werden, den Versorgern auszugleichen und auf alle in ganz Deutschland verbrauchten Kilowattstunden gleichmäßig zu verteilen. Sonst hätte jemand der in der Nähe vieler Windparks/Solardächer wohnt, einen höheren Strompreis als andere. Wie mit allen sozialistischen Umverteilungs-Gesetzen ist auch das natürlich wieder eine Milchmädchen-Rechnung. Die Versorger können wegen dem Zickzack-Strom der Eneuerbaren ihre eigenen Kraftwerke schlechter auslasten, und müssen diese Kosten auch weitergeben, also kommen zur reinen EEG-Umlage noch viele versteckte Kosten dazu. Auch der Netzausbau (Leitungen legen zu jedem Solar-Schäunendach auf dem Land) ist nicht in der EEG-Umlage drin. Die EEG-Umlage ist somit nur die Spitze des Kostenbergs.

  • Die Erhöhung der Ökostromumlage insgesamt ergibt sich aus dem unkontrollierten Neubau und der zusätzlichen Förderung von PV-und Windkraftanlagen. Durch die Absenkung der Zinsen bei den Banken stecken viele Leute ihr Geld in solche Investitionen. Neben der Belastung durch die Ökostromumlage steigen nun auch die Netzkosten nicht nur durch den erforderlichen Neubau der Übertragungsnetze von der See in die Industriezentren im Süden sondern auch die Ortsnetze müssen verstärkt werden. Nun will die SPD im Wahlkampf neuerdings auf Gaskraftwerke setzten - die sind heute schon nicht mehr wirtschaftlich! Der Genosse Machnig wollte in Thüringen Pumpspeicherwerke bauen lassen. Dem hat nur keiner gesagt, dass der Neubau 10-15 Jahre dauert. Mit der heutigen Entwicklung bei den Strompreisen ist bis dahin nicht nur die Großindustrie sondern auch der Mittelstand ausgewandert. Dass die grünen Verursacher des EEG die Hauptschuld tragen, das ist der Mehrheit der Bürger in Deutschland mittlerweile klar. Der kluge Wähler verhindert, dass Rot-Grün in Deutschland an die Macht kommt.

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