SPD
Kurt Beck – der gefühlte Bundeskanzler

Am Sonntag ist es soweit. Kurt Beck wird nach 147 Tagen der Gefahr entronnen sein, in der SPD-Geschichte der Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit zu werden.

BERLIN. Am Sonntag wird er seinen Vorgänger Matthias Platzeck überholt haben – obwohl der rheinland-pfälzische Ministerpräsident von einigen nur als Übergangskandidat gehandelt worden war. Entspannt wirkt Beck aber schon jetzt. Wenn er wie jüngst in Berlin vor den SPD-Unterbezirksvorsitzenden auftritt, erläutert er mit großer Lässigkeit die Probleme der großen Koalition. Wenn er wie gestern Abend zum Koalitionsgespräch über die Gesundheit ins Kanzleramt eilt, wird ihm automatisch eine führende Rolle zugemessen. Und nicht selten ist es in letzter Zeit so, dass TV-Nachrichten mit seiner Einschätzung zum Stand der politischen Reformen beginnen, nicht mit denen von Merkel.

Verantwortlich ist dafür nicht nur seine faktische politische Macht als SPD-Vorsitzender, es ist auch seine schiere Präsenz. Wenn Beck seinen wuchtigen Körper vor ein Mikrophon schiebt, lautet die Körpersprache: „Hier bin ich und ich will mitentscheiden“. Längst vergessen ist der fast zartgliedrig wirkende Platzeck, den wie Angela Merkel ein offenbar ostdeutscher Hang zur Unaufdringlichkeit auszeichnet.

„Die Bundeskanzlerin und ich“, sagt Beck oft mit fester Stimme und vermittelt den Eindruck, er meine in Wirklichkeit „Ich und die Kanzlerin“. Wenn er dann noch mit verständnisvoller Stimme über Merkels Probleme mit den Unions-Ministerpräsidenten spricht, entsteht vollends der Eindruck, hier spreche jemand, der sich längst als heimlicher Kanzler fühlt.

Und sein Gefühl der Zufriedenheit wird sichtlich größer, trotz dümpelnder SPD-Umfragewerte. Denn Beck spiegelt seine eigene Arbeit im Zustand des Koalitionspartners. Und da hat er zumindest vorübergehend etwas erreicht, woran Sozialdemokraten meist scheitern: Eine chaotisch laufende Debatte dem politischen Gegner zu überlassen.

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