SPD-Linke
Forbidden: Chatten mit Ottmar

Der SPD-Linke Ottmar Schreiner sieht seine Partei am Scheideweg – und macht sich bei den Genossen unbeliebt. Nicht wenige SPD-Realos hoffen auf den Austritt des ewigen Quertreibers. Doch der verbreitet seine Ansichten munter weiter. Thomas Ludwig über einen Chat mit Hindernissen und einen Sozialdemokraten, der die Rente mit 67 für „grottenfalsch“ und die Unternehmensteuerreform für „überflüssig“ hält.

DÜSSELDORF. Forbidden. You don't have permission to access. Es ist 16 Uhr, Ottmar Schreiner heißt mich zum ersten Chat nach der Sommerpause willkommen. Mich, den Bürger. Wahlweise auch Kollege. Oder Genosse. Offenen Auges blickt er mich an. Freundlich. Die Ringe unter den Augen verraten die Mühsal, eines in die Jahre gekommenen Gerechtigkeitskämpfers. Doch wenige Sekunden später die Ernüchterung: Zutritt verweigert. Liegt es nun an meinem Server oder an Ottmars? Vielleicht hat der SPD-Linke ja einfach keine Lust zu antworten auf Fragen à la „Wie lange, Genosse, hältst Du es bei den Sozen überhaupt noch aus?“ Denn seine jüngste Philippika klingt glatt so, als seien seine Tage als SPD-Mitglied gezählt. Doch davon später.

Zuerst ein Anruf beim Support – und die beruhigende Antwort: An meinem Server liegt der Rauswurf nicht. Deshalb Anruf im Berliner Büro des Bundestagsabgeordneten Schreiner: „Ja, der Chat läuft“, sagt eine freundliche, etwas dunkel klingende Frauenstimme. Von einem Problem mit dem Server weiß man hier nichts. Auch nichts von Überlastung. Was also tun? Anruf bei meinem Bruder, andere Stadt, anderer PC: „Probier’ Du mal, chatten mit Ottmar Schreiner.“ Wie man den schreibt? Wer das ist? Junge, Junge, Bruderherz – „von der SPD, ein ganz Linker.“ Schreiner wie der Tischler. Und ob da gehobelt wird.

In diesen Tagen hat Ottmar Schreiner einmal mehr den ewigen Nörgler gegeben und sich bei den Parteigranden unbeliebt gemacht, hat in einem Beitrag für die Zeitung, hinter der sich stets ein kluger Kopf verbergen soll, mal wieder so richtig vom Leder gezogen: „Die Entsozialdemokratisierung und Entwurzelung der SPD muss programmatisch und personell gestoppt werden.“

Für die geradezu diätische Popularität seiner Partei sieht Schreiner einen eindeutigen Grund:die „katastrophale sozialpolitische Leistungsbilanz.“ Kurzum: Die Agendapolitik habe die Ungleichheit im Land verschärft. „Was wir brauchen“, so der O-Ton „ist kein ’Weiter-So’, sondern der Bruch mit einer gescheiterten Politik. Eine sozialdemokratische Politik für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit fußt auf der historischen Erfahrung, dass der Kapitalismus aus sich selbst heraus Ungleichheit produziert.“ Deshalb benötige das Kapital „demokratische Gegenmacht.“

Mit so jemandem will man doch chatten, da will man doch was zu sagen, man will wissen: Was reitet Ottmar Schreiner, wenn er seine Philippika wider das Führungspersonal der SPD reitet? – doch nein, die Technik.

Katharina, probier’ Du mal. Meine Kollegin ist stets freundlich und hilfsbereit. Flink fegen ihre Finger über die Tastatur. Doch auch für sie bleibt Ottmar forbidden. Auch sie hat no permission to access. Doch weil die Kollegin nicht nur freundlich ist sondern ebenso hartnäckig, gibt sie allen Verbotsmeldungen zum Trotz eine Frage ein, mal sehen, was passiert: Herr Schreiner, wann treten sie in die Linkspartei ein?

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